ALPENSEMINAR 2009
Es war mal wieder eine Wucht! Im tollen Ambiente im Kur- und Kongresszentrum Murnau lief wieder alles wie „geschmiert“. Das Wetter war sommerlich toll, die Restauration einsame Klasse und das Feedback durchaus positiv. Neben den spitzen Referenten gab es auch hochrangigen Besuch: DTV Präsident Franz Allert kam direkt von der Präsidiumssitzung des DTV aus Frankfurt, dasselbe tat DTV-Lehrwart und Ehrenpräsident des LTVB Horst Krämer. Auch weitere Präsidiumsmitglieder aus anderen Landesverbänden waren vor Ort: Der Lehrwart des TBW Rudi Gallus-Groß mit Gattin und Dr. Holger Schilling, Vizepräsident aus Thüringen, nahmen an diversen Workshops teil und ließen sich den GALA-Ball nicht entgehen.
Ein GALA-Ball vom Feinsten und viele interessante Gespräche ließen absolut keine Langeweile aufkommen. Unser Präsident Rudolf Meindl, der Anfang November einen runden Geburtstag feierte, lud nach dem Ball einen kleinen (aber erlesenen Personenkreis) zu einer Nachfeier. Die Präsidiumsmitglieder des LTVB dies für eine „kleine“ Überraschung mit der unser Präsident bestimmt nicht gerechnet hatte. Auch die Kaderpaare des LTVB überbrachten „unserem“ Rudi die besten Wünsche und ein schönes Geschenk. So wurde die Nacht von Samstag auf Montag ein wenig kurz, aber das tat dem sonntäglichen Seminartag keinen Abbruch. Hier folgen nun ein paar nähere Informationen über die drei Seminartage.
Standard Workshop mit Sven Traut
Mit Sven Traut konnte der LTVB für den Standard-Workshop einen hochkarätigen Referenten gewinnen. Sven ist Mitglied im DTV Verbandstrainerteam und behandelt an zwei Tagen das zentrale Thema des Seminars „Mit Musik geht alles leichter“.
Als Demo-Paare assistierten Andreas und Katharina Matery, Dominik Fenster und Stefanie Pavelic sowie Maksim Tschernin und Carolin Scheithauer. Der Referent wies ausdrücklich darauf hin, dass die Zusammenstellung der A- und S-Paare unter dem Gesichtspunkt erfolgte, die Demonstration der Lehrgangsinhalte auf unterschiedlichen Leistungsniveaus zu veranschaulichen.
Zunächst will der Referent von den Teilnehmern wissen, was mit Musik alles besser geht und was einem dabei alles durch den Kopf geht. Musik weckt Erinnerungen, spornt zu (Höchst-)Leistung an und wirkt motivierend.
Anhand eines Fragenkataloges erarbeitete er mit den Teilnehmern das eigentliche Handwerkszeug des Tänzers – die vier Bewegungselemente: Bewegung (das Gehen), Rotation, Heben und Senken, Neigung. Sie sind Voraussetzung dafür, Musik im Tanz visuell sichtbar zu machen und Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Begleitend dazu wurde nach dem Prinzip „Learning bei Doing“ die Praxis erprobt. Die Teilnehmer machten sehr gerne mit und übten auf der Tanzfläche diese Basics. So geht die Theorie gleich viel schneller in Fleisch und Blut über und stärkt das eigene Körpergefühl.
Mit den Demo-Paaren zeigte er anschaulich den prinzipiellen Bewegungsaufbau am Beispiel des Übergangs vom Basic Sway in den Broken Sway beim Langsamen Walzer.
Sven ging auch auf die nicht zu unterschätzende Bedeutung der Atmung für das musikalische Tanzen ein. Wie wichtig das bewusste Atmen ist, zeigte er an einer plausibel vorgetragenen Atemtechnik. Nur wer richtig atmet, kann seinen Körper lebendig halten. Für die Technik ist wichtig, im Up-Swing einzuatmen, beim Down-Swing wird die Schwerkraft genutzt, durch den Fuß ‚auszuatmen‘. Bereits beim Einstieg in die Bewegung muss im Körper die Zwerchfell-Atmung sichtbar sein.
In einem weiteren Schritt analysierte der Referent das Schwungverhalten im Slow Foxtrott. Er erläuterte den Teilnehmern zunächst die Unterschiede der Schwungkurven in den Tänzen. So haben Slow Foxtrott und Wiener Walzer identische Schwungkurven, die im Vergleich zum Langsamen Walzer aber flacher sind mit kürzeren Hebephasen. Des Weiteren finden sich im Foxtrott viele Figuren mit Neigungen, während im Waltz das Figurenmaterial überwiegend keine Neigungen aufweist! Im Foxtrott verflacht durch das Schwingen über die Seiten der Sway, wohingegen durch das Schwungrelief im Waltz der Eindruck von sehr viel Sway entsteht.
Weiter führte Sven aus, dass der Slow Foxtrott ein Seitentanz ist, da die Schwünge über die Körperseiten ausgeführt werden. Die Drehung beginnt im Oberschenkel und wird dann im Schultergürtel weitergeführt. Die Rotation wird in aller Regel spiralförmig von unten nach oben ausgeführt, wegen des geradlinigen Bewegungsreliefs muss dabei aber ein zweispuriges Setzen der Füße gewährleistet sein. Für die Durchgängigkeit der Bewegung ist auch das richtige Heben maßgebend. Wie bereits im Waltz besprochen, muss über das Knie das Gewicht in den großen Zeh gebracht werden. Dies geht nur, wenn das Knie stets nach vorne arbeitet. Dies gilt vor allem in der Rückwärtsbewegung, wo im Standbein die Ferse den Boden nicht eher berühren darf, bevor das Spielbein das andere Bein passiert hat. Andernfalls ist eine Rotation im Standbein nicht mehr möglich. Auf die Beinrhythmik im Slow Foxtrott angesprochen, gibt Sven den Hinweis, dass unter musikalischen Gesichtspunkten auf der ‚2‘ unbedingt der Slow und auf der ‚3‘ der erste Quick erfolgen muss. Das Verzögern des zweiten Quicks zur ‚1‘ hin ist ein Spiel mit der Rhythmik, um die Charakteristik dieses Tanzes (lässiges Understatement) zu unterstreichen.
Die bis dahin erarbeiteten Grundprinzipien, insbesondere die Durchgängigkeit der Bewegung, veranschaulichte Sven den Teilnehmern mit Unterstützung von Maksim und Carolin. Hier knüpfte der Referent wieder an das zentrale Thema des Seminars an. Musik ist Klang, der wiederum den Raum erfüllt. Diese Ausbreitung sollte auch in der Bewegung sichtbar sein. Zur Erreichung dieses Ziels hat im Tanzen die Bewegung oberste Priorität; sie bleibt konstant erhalten, egal ob beim Drehen, Heben/Senken oder Neigen. Anhand der Aktionen im Basic Sway und Broken Sway wird deutlich, dass der Sway nach rechts immer der schwächere ist, da durch die Grundposition der beiden Partner zueinander der freie Raum begrenzt ist. Hier kann es leicht passieren, dass sich die Körperlinien kreuzen, und sich so die Topline optisch verkleinert. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, dass sich beide Körperseiten des Tänzers konstant vorwärts bewegen, die eine überholt mitunter die andere Seite, aber nie ist die Bewegung einer Seite im Vergleich zur anderen rückwärts gerichtet.
In einer weiteren Unterrichtseinheit vermittelte Sven speziell für Wertungsrichter das Wissen, qualitativ hochwertige Bewegungsabläufe zu erkennen. In den Schwungtänzen ist der prinzipielle Bewegungsablauf durch folgende Bewegungskette definiert: Senken – Step – Swing (Leg-Swing gefolgt von Body-Swing) – Kontrolle. Diese Kette versteht sich auch als fortwährende Informationsschleife, die die beiden Partner erst zum Führen bzw. Folgen befähigt – Voraussetzung für harmonisches und musikalisches Tanzen. Idealerweise verschmelzen die Körper der beiden Partner zu einem Körper mit vier Beinen und zwei Köpfen. Sven weist auch darauf hin, dass sich die Weite der Bewegung durch die Qualität des Schwungs definiert. Die korrekte Abfolge der Bewegungskette versetzt den Tänzer in die Lage, stets ans Limit zu gehen, um Emotionen auszuleben und differenzierte Tempi zu erzeugen, also ‚laut‘ und ‚leise‘ zu tanzen.
Zum Abschluss des ersten Tages ging der Referent auf den Tango ein. Die erste Frage an die Teilnehmer lautete: Was hat im Tango oberste Priorität? Es ist die Rotation – sie ist die Hauptbewegungsenergie. Sven machte deutlich, dass in der Rotation zwei Sorten von Bewegungen zu unterscheiden sind, die gemeinsame und die getrennte. Die gemeinsame Bewegung findet in der Gegenüberstellung statt, die getrennte Bewegung wird benötigt, um Positionen zu verändern. Bewegt wird der Körper stets über die Beine. Von den vier Bewegungselementen wird beim Tango das Heben und Senken durch Drag/Drop Aktionen ersetzt. Bezüglich Neigung wird in diesem Tanz lediglich Broken Sway in Posen eingesetzt. Die Bewegung (das Gehen) und die Rotation sind die wichtigen Elemente, die dem Tango seine Charakteristik verleihen.
Der Tango lebt von Positionsveränderungen, die über Geh- und Drehbewegungen erzeugt werden. Hier ist zu differenzieren zwischen Promenade, Gegenpromenade und außenseitliche Positionen. Der Körper muss beim Tango Ruhe im Top ausstrahlen, die Rhythmik wird in den flinken und beweglichen Füßen sichtbar. Im Gegensatz zu den Schwungtänzen müssen beim Tango die Füße auf den Schlägen der Musik direkt belastet werden. Nur diese Fußrhythmik schafft im Tango einerseits die notwendige Ruhe und andererseits die Möglichkeit zu blitzschnellen Aktionen.
Den zweiten Tag nutzte Sven dazu, zunächst eine Zusammenfassung der Inhalte vom Vortag wiederzugeben. Er rief bei den Teilnehmern nochmals die Vorstellung in Erinnerung, dass der Körper eines Tänzers wie der Resonanzkörper eines Musikinstruments wirkt. Tanz bedeutet ja nichts anderes als das Volumen der Musik sichtbar zu machen. Dazu muss der Tänzer über grundlegende Kenntnisse in der Bewegungslehre verfügen. Dazu gehören die vier Bewegungselemente, nämlich die Bewegung (das Gehen), Rotation, Heben und Senken, Neigung. Der Tänzer muss sich außerdem bewusst sein, dass das Körperzentrum selbst nicht drehen kann, die Rotation kann nur über das Bein erfolgen.
In seiner letzten Unterrichtseinheit ging Sven auf den Wiener Walzer näher ein. Von der Schwungkurve her ist dieser Tanz mit dem Slow Foxtrott verwandt. Im Vergleich zum Langsamen Walzer ist das Schwungrelief jedoch flacher. Innerhalb eines Taktes ist die Drehachse in einem Schwungtanz immer der erste Schritt. Am Ende der ‚1‘ muss die Hüfte bereits durch geschwungen sein, d.h. der Lag-Swing erfolgt stets vor dem Body-Swing. Musikalisch gesehen haben die drei Schläge im Wiener Walzer den gleichen zeitlichen Abstand. Im Unterschied dazu ist die Länge des ersten Schrittes im Verhältnis zum zweiten Schritt kleiner. Viele Paare machen den Fehler, sich vom dritten Schritt zu sehr abzudrücken. Ist der erste Schritt zu groß, ist der Weg für den zweiten Schritt (das Schwingen des Beines) zu weit. Als Ergebnis sieht man bei diesen Paaren ein Hüpfen bedingt durch eine Slow-Quick-Quick Rhythmik. Wie Sven bereits angedeutet hatte, definiert sich die Weite/Ausdehnung der Bewegung ausschließlich durch die Qualität des Schwungs. Abschließend kommt Sven noch auf den Sway im Wiener Walzer zu sprechen. Alle Neigungen nach rechts sind grundsätzlich schwächer ausgeprägt als die nach links. Ansonsten würden sich von den Körperlinien her die Wege der Partner kreuzen. Dieses Prinzip gilt auch für die Linksdrehung. Hier darf der rückwärts gehende Partner nicht den Fehler machen, zu sehr nach rechts zu neigen.
Damit endete auch schon der Standard-Workshop. Sven Traut bedankte sich bei den zahlreichen Teilnehmern für ihre Aufmerksamkeit und bei den Demopaaren für deren Unterstützung. Für die hervorragende Vermittlung seiner Lehrgangsinhalte erntete er zu Recht lang anhaltenden Applaus. Mit einem gefühlvollen Vortrag aus dem Waltz-Programm verabschiedeten sich die Demopaare ihrerseits beim Publikum.
Lateinworkshop mit Hansi Galke und Manuela Faller
Nach der Mittagspause, verfeinert durch die kulinarischen Genüsse des Restaurants Auszeit, begrüßte Ingo Körber Manuela Faller und Landestrainer Hansi Galke zum ersten Teil der Lateinsektion des Nachmittags.
Das Thema des Alpenseminars „mit Musik geht alles leichter“ projizierten sie selbstredend auf den/die Workshops, deren es sechs unter der Führung der Beiden gab. Als Intro – passend zum Motto – mussten die Probleme der Lateinpaare, die das Gefühl haben, in den Choreographien nicht weiterzukommen, herhalten. Dabei ist oft des Rätsels Lösung, dass die Folgen häufig nur noch stur getanzt werden, dabei der Musik aber zu wenig Gehör geschenkt wird.
In drei Gruppen eingeteilt, mussten die Teilnehmer des Workshops Takt, Timing, Rhythmus und Musikalität definieren und schließlich die wichtigsten Aspekte herausarbeiten. Dabei kam es zu ganz unterschiedlichen Interpretationen, die die Körper schließlich auszudrücken versuchen.
Aus der Theorie hinein in die Praxis des ChaChaCha: Es wurden fünf typische Instrumente gefunden, deren einzelne Aufgaben im Musikstück gleich im Tanz ausprobiert wurden: Conga, die open strokes, slap stroke und halbe Töne spielt; Bongos, die die „1“ betonen; Maracas, die halbe Töne mit einem leichten und weichen Klang erzeugen; Guiro (Gurke), die mit einem kurzen Schrappgeräusch die „1“ betont und abschießend die Cowbell (Glocke), die meist den typischen ChaChaCha-Rhythmus schlägt.
Es entwickelte sich ein großer Spassfaktor als die Teilnehmer in einzelnen Gruppen die Musikinstrumente selbständig wiedergaben und den ChaChaCha „sangen“. Das Auditorium wurde stark mit einbezogen und wer Hansi kennt, weiß, dass die Hintergründe auf sehr humorvolle Weise vermittelt wurden. Musik muss und kann man hören lernen.
In einer kleinen Choreographie, getanzt vom Demopaar Marius und Christina, wurde schließlich der Körper- und Fußrhythmus verbildlicht.
Der zweite Teil der Lateinlecture startete mit einer steigerungsfähigen Übung, bei der erneut alle mit machten.
Von einer Sitzposition in die Waagerechte. Von der Nutzung der Sitzhöcker in die exakte Aufrichtung der Wirbelsäule, Rippenbögen schließen, Schultern fallen lassen und dann das Ganze im Stehen. So die Anweisungen!
Spüren, wo das Gewicht ist und wie man es findet und fühlt. Beckenbodenmuskulatur trainieren, Beckengelenk finden, Gewicht bewusst platzieren, waren die aktuellen Aufgaben, die es zu bewältigen galt. Für den einen oder anderen eine witzige Erfahrung. Schade, dass es kein Bild davon gibt… Tatsächlich erlernten die Teilnehmer in den Übungen die Balancen zu finden und bei Beendigung einzelner Figuren wieder in dieselbe zurückzufinden. Unter Einsatz von Percussion durch Manuela Faller und aktives Musizieren von Hansi Galke wurde die kurze Choreographie zum Ausprobieren angeboten. Quintessenz aus dem Erlernten: Werden die Füße richtig benutzt, stimmt auch die Oberlinie – ähnlich wie im Standardtanzen.
Den dritten Latein-Workshop des Tags benutzte Hansi zur Zusammenfassung des bis dahin Erlernten und kündigte schließlich Pasodoble an.
Pasodoble – Schreittanz oder Körpertanz? Diese Frage musste zuerst geklärt werden.
Mit aktivem Beispiek durch seine beiden Demopaare Marius Iepure/Christina Kessler und Massimo Sinato/Tatjana Kuschill erklärte Hansi den Pasodoble. Bei den Herren wurde der richtige Stand sowie die exakte Haltung zur Erzeugung eines Shapes vorgeführt. Dehnung und Streckung innerhalb der körpereigenen Balance sind das Geheimnis. Geballter Wortwitz und gekonnte theoretische Erklärung verbunden mit praktischer Umsetzung fesselte das aufmerksame Publikum.
Soviel zum „Unterbau“. Der Oberkörper ist für Ausdruck zuständig. Wie man eine optimale Ausdrucksfähigkeit erzeugt, wurde eingehend versucht. Dabei ließ so mancher Lacher nicht auf sich warten. Bevor die Damen aber den Herren anvertraut wurden, sollten die Tänzer erst einmal schwitzen. Herren können auch feminin tanzen (das ist zwar nicht wünschenswert), Hansi führte auch das vor (und kein Auge blieb trocken), aber der maskuline Ausdruck bleibt gefragt.
Gemeinsam zeigten schließlich Massimo und Tanja das perfekte feminine und maskuline Zusammenspiel. Einzeln und gemeinsam zeigten auch Marius und Christina Teile ihrer Choreographie, um sie schließlich noch mehr zu verfeinern und zu optimieren. Zusammen mit ihrem Landestrainer, der auf seine gewohnt humorvolle Art das Äußerste aus seinen Demopaaren herauskitzelte, zeigten sie sichtbar schnell die deutlichen Erfolge.
In freundlicher Rücksichtnahme gegenüber unserem Landestrainer wurde der Lateintag am Sonntag erst um 11:15 Uhr nach dem Stepptanzworkshop eingeläutet, dafür aber dann gleich mit dem Jive. Trainer und Wertungsrichter warteten schon mit Spannung auf die Fortführung des Workshops, der erst einmal mit Informationen über den Ursprung des Jives begann.
Wie funktionieren die Basics? Zusammen mit Marius präsentierte Manu die technische Charakteristik der Bounce- und Kick-Bewegung mit den entsprechenden Gewichtsverlagerungen und band die Teilnehmer gleich mit ein. Gemeinsam wurde die Technik ausgefeilt und auf die richtigen Aktionen, die Dynamik und den Bewegungsfluss besonders geachtet und damit das Körperbewusstsein für diesen Tanz verfeinert. Auch wenn manchmal der Atem fast ausging, waren alle voll dabei. Ein gut trainierter Körper hilft, aber zuviel Kraft kann auch alles kaputt machen.
Zum Abschluss der Vormittagssektion legten Marius und Christina einen Jive auf das Parkett. Ja, so sollte es aussehen! Der Beifall bestätigt dies!
Nach der wieder mit kulinarischen Genüssen gefüllten Mittagspause ging es mit dem Thema „Rumba“ weiter.
Bewegung ist die Grundlage eines jeden Tanzes. Wie aber mache ich meiner Tanzpartnerin diesen Punkt im Sinne von Raum und Zeit klar? Wie führe ich? Der Referent gab gleich die Antwort dazu: Voraussetzung ist, dass ich meinen Körper selbst kenne. Für eine korrekte Führung ist Gewichtstransport Voraussetzung, d. h., ich muss meinen eigenen Körper bewegen und diesen Impuls auf meine Partnerin übertragen. Dazu baut der führende Partner in seinem Körper Energie auf, die in ihm eine Veränderung auslöst. Über diese Energie erhält die Dame die entsprechenden Informationen: Raumrichtung und Zeitpunkt. Wie die Dame ihre Bewegung ausführt, ist ihre Sache. Wichtig dabei ist der Gedanke: Energie zu geben und zu ziehen, aufeinander auszurichten und nicht aktiv zu drücken und zu ziehen.
Was ist mit dieser Theorie gemeint? Die Teilnehmer konnten sich die Frage nach einer intensiven kurzen Übung am eigenen Körper selbst beantworten. Sie spüren, was sie tun!
Sollen Emotionen übertragen werden, muss ich diese auch im eigenen Körper erst einmal selbst finden, sie erfühlen. Sie müssen authentisch sein, um bewusste Signale setzen zu können.
Auf dieser theoretischen Grundlage führte Hansi zusammen mit Christina Kessler einige Rumbaschritte aus und wies explizit auf Ausführungsfehler hin, die unbedingt vermieden werden sollten. Für alle tanzte anschließend das Demo-Paar ein Rumba, die sowohl die beiden Referenten als auch die Teilnehmer überzeugte. Langer, herzlicher Applaus war die Belohnung!
Zum guten Schluss, dem sechsten und letzten Workshop des diesjährigen Alpenseminars, geht es zum Anfang: Samba, der erste Tanz im Turnier!
Wie stellen wir uns die Samba vor? Mit praktischem Beispiel durch Marius und Christina, die zweimal eine Samba nach Vorgabe des Referenten tanzten, begann der Workshop. Die Beiden mussten improvisieren und durften dabei keine Grundformen zeigen. Sinn und Zweck ist es, sich frei inspirieren zu lassen und eigene Emotionen auf’s Parkett zu bringen, d. h., mit ihren verschiedenen Körperteilen Rhythmik zu erzeugen, die Aussagekraft hat.
Hansi analysierte danach die positiven und negativen Eindrücke und begründete recht anschaulich seine Kritik. Als Resultat steht fest: Es muss so getanzt werden, dass zunächst einmal der Funke überspringt. Das verlangt, dass grundsätzlich die Charakteristik der Samba verstanden sein muss.
Es wurde erläutert, welche Rhythmusmöglichkeiten es gibt und wodurch der Rhythmus lebt? Wie laufen Aktion und Reaktion in der Bewegung ab? Die Antworten dazu gab der Referent anhand von Samba-Bewegungsabläufen des Demo-Paars. Die Teilnehmer profitierten von diesen eingehenden Erläuterungen und nahmen sicher viele Anregungen mit nach Hause. Das verrieten auch die zufriedenen Gesichter.
Am Ende bedankte sich der Referent bei den Teilnehmern und dem Demo-Paar und erinnerte daran: Basics sind beim Tanzen grundsätzlich das A und O. Sie vermitteln dem Trainer die Grundlage, sich zu motivieren, stets an sich selbst zu arbeiten, seinen Motivationslevel weiterzuentwickeln und sich fortzubilden, innovativ zu arbeiten und eine klare Vorstellung von dem zu haben, was es am Ende sein soll. Das hilft Lehrer und Schüler.
Stepptanz-Workshop mit Volker Mandau
Der Sonntag startete mit einem Workshop im Stepptanz pünktlich um 09:30 Uhr. Zum ersten Mal wurde dieser Workshop in das Programm mit aufgenommen. Er war mit ca. 45 Teilnehmern gut besucht. Der Referent Volker Mandau erläuterte zu Beginn die Grundschritte und die Fußtechnik und ging gleich in die Praxis über. Recht schnell ging es mit lateinamerikanischer Musik zur Sache, da die meisten Teilnehmer schon gute Kenntnisse im Stepptanz hatten. Nach kurzer Vorbereitung wurden schon die ersten Choreographien getanzt, die im Laufe des Workshops immer anspruchsvoller wurden. Begeistert machten alle engagiert mit und nahmen sicher viele neue Anregungen mit nach Hause.
Welcome-Party
Von vielen erwartet, aber nicht von allen besucht. Nach dem letztjährigen Knaller mit absoluter Überfüllung der Räumlichkeiten wurde die Welcome-Party beim 14. Alpenseminar ein wenig vorsichtiger angenommen. Das tat aber der Stimmung keinen Abbruch und die Stimmung bewegte sich auf demselben Niveau wie im Jahr davor. Viele Gespräche, die Begrüßung der Neuankömmlinge (auch die Referenten für den Samstag trudelten so nach und nach ein) und ein hervorragendes Essen waren Garant für eine kurze Nacht. Wir freuen uns jetzt schon auf die nächste Party.
Überfachlich gab es interessantes Neues, interessantes Altes und auch die jährliche „Routine“. Alles in Allem ein gutes Paket der Weiterbildung für unsere Lizenzträger.
Den überfachlichen Startschuss setzte Irene Link mit der Rhetorik für Trainer, die aber letztendlich auch für die Turnierleiter gilt. So wird angedacht, diesen überfachlichen Part im nächsten Jahr für Trainer und Turnierleiter zusammen zu legen.
Die Referentin berichtete den Teilnehmern kurz über ihren fachlichen Hintergrund, u.a. hat sie eine Schauspielschule besucht und eine Sprechausbildung genossen.
Mit Musik geht alles leichter. Das Hauptthema des Alpenseminars trifft auch auf diesen Lehrgang zu.
Sprechen ist wie Musik, unsere Stimme hat eine individuelle Melodie und Tonfärbung. Durch den gezielten Einsatz dieses Instruments fällt es uns erheblich leichter, Interesse und Begeisterung bei unserem Publikum zu wecken, und die Inhalte an den Mann/die Frau zu bringen.
Untersuchungen haben ergeben, dass die Stimme zu 38% Prozent am Informationsfluss zwischen dem Vortragenden und seinem Auditorium beiträgt. Weitaus höhere Bedeutung kommt der Körpersprache mit 55% Anteil zu. Der eigentliche Informationsgehalt reduziert sich auf lediglich 7%.
Für die Gestaltung eines abwechslungsreichen, kurzweiligen und effektiven Unterrichts bemühte Irene Merkhilfen wie: „Tritt keck auf“, d.h. spring über deinen eigenen Schatten! „Mach’s Maul auf“, d.h. rede artikuliert und betont! „Hör bald auf“, d.h. fasse dich kurz (KISS Prinzip - Keep It Short and Simple)!
Im weiteren Verlauf des Lehrgangs übte Irene mit den Teilnehmern, die Stimme und Gestik/Mimik gezielt einzusetzen, um Inhalte (insbesondere Kernaussagen) auch tatsächlich zu vermitteln.
Für die nächsten knapp sechs Stunden ging der überfachliche Teil in die Hände von Bernd Junghans über, der sich mit dem Verstehen der Musik und der Kombination aus Bewegung und Musik auseinander setzte.
Hauptthema wares, herauszufinden, wie typische Musik typische Bewegungen in den Tänzen erzeugt. Und wie erreichen wir dieses Ziel? Wir müssen uns bewusste Gedanken über Musik machen!
In seinem ersten Vortrag konzentrierte sich der Referent auf „Musik verstehen: Latein“. Was macht die lateinamerikanische Musik zu lateinamerikanischer Musik? Die Antwort darauf kann nur lauten: Die Rhythmik durch bestimmte Instrumente - das bedeutet schlicht: In den lateinamerikanischen Tänzen wird zum Rhythmus getanzt.
Als erfahrener Referent weiß er, dass sich dieses Thema am besten durch geübte Praxis vermitteln lässt. Anhand einfacher Instrumente machte er deutlich, dass erst die Betonung eines Schlages die Struktur ordnet und bezog die Teilnehmer durch aktives Üben mit ein. Spielerisch und plausibel zugleich weckte er durch verschiedene Rhythmenbeispiele das Verständnis für diese so genannte höhere Ordnungsstruktur. Zusätzlich schärfte Bernd auf diese Weise das Gehöhr der Teilnehmer, denn nur wer weiß, was er hört, kann Musik besser verstehen.
In der anschließenden Theorie fasste der Referent nochmals zusammen, was unter Grundschlag, Takt, Metrum, Rhythmus zu verstehen ist. Sein spannender Vortrag lebte u. a. auch durch einen exzellent ausgewählten Medienmix und er konnte den nicht leicht verständlichen Lehrstoff überzeugend und authentisch vermitteln.
Im Anschluss an die Mittagspause (kulinarische Werte siehe Workshop Latein) setzte Bernd Junghans den Workshop mit seinem zweiten Vortrag nun über Standardmusik fort.
Wie ist diese Musik strukturiert? Auch hier gilt: Wir müssen uns bewusste Gedanken über Musik machen! Grundsätzlich ist im Standardbereich die Melodie das kennzeichnende Element – wir nehmen Musik über die Melodie war. Sie ist auch Ausdruck unserer europäischen Tradition und sie wird deshalb auch mit melodieführenden Instrumenten gespielt, wie z. B. Geige, Klavier, Blasinstrumente. Warum sind im Standardsektor die melodieführenden Instrumente so dominant? Das resultiert aus der Vorgeschichte – so der Referent – und erläuterte dies ausführlich an Hand der Entstehung des Wiener Walzers, der durch die so genannte gesellschaftliche Oberschicht geprägt wurde.
Bernd erläuterte durch eingespielte, typische Lieder den Aufbau bzw. die Melodien der Standardmusik und wies nochmals darauf hin, dass hier der Takt durch die Melodie geordnet ist. So machen z. B. gerade die triolischen Figuren den Walzer recht geschmeidig. Sehr interessiert und aufmerksam nahmen die Teilnehmer die Informationen auf und beantworteten die Testfragen zu den eingespielten Standardmelodien am Schluss des Workshops treffsicher. Gratulation – sie haben die Charakteristik verstanden!
Die logische Folge aus den beiden Vorträgen geht fast nahtlos in den dritten Teil über und befasst sich mit der Struktur von Bewegung und Musik.
Die Teilnehmer konnten hier wertvolle Informationen gewinnen, denn was wir bewusst wahrnehmen, das machen wir auch besser.
Kernpunkt dieses Vortrags war es, Rhythmus und Bewegung zu entwickeln. Menschen in unserem Breitengrad empfinden Musik primär über die Melodie und nicht über den Rhythmus, man orientiert sich einfach an der Melodie. Sofern jemand Schwierigkeiten hat, Rhythmus und Takt zu erkennen, lässt sich dies durch stetes Üben erlernen. Das ist im Erwachsenenalter viel schwerer als in jungen Jahren.
Im Vorfeld zum praktischen Teil stellte der Referent sowohl im Klang als auch bildhaft mit einer beeindruckenden Powerpointpräsentation die Grundinstrumente wie Cowbell, Conga, Guira, Claves und die Dekorations-Instrumente wie Maracas, Bongos, Timbales vor und ließ diese akustisch auf die Teilnehmer einwirken.
Anhand praktischer Übungen sollten die Teilnehmer durch Sprechen und Atmen Rhythmus und Bewegung entwickeln. So erleben sie das Lernen bewusst, denn Musik entsteht im Körper, im Kopf, in der Wahrnehmung. Niemandem kann aufgezwungen werden, wie er Musik empfindet. Jeder muss sie selbst leben, erleben und nur dann kann es überzeugend sein. Der spielerische Lernprozess, der über das Gefühl läuft, ist dabei Erfolg versprechender.
Wie dieser Vorgang auf die Bewegungsart beim Tanzen übertragen werden kann, trainierten die Teilnehmer im Anschluss. Es wird deutlich, dass nur eine typische Musik auch eine typische Bewegung unterstützt. Wie viel schwerer es ist, eine Bewegung zu verzögern als zu beschleunigen, wird auf den ersten Schritt klar. Da heißt es: Fußgeschwindigkeit steuern!
Es ging weiter in der Rhythmusschulung: Die Teilnehmer klatschten auf bestimmte Silben, sprachen in diesem Raster bestimmte Wörter und stampften den Puls mit dem Fuß. Es sind exzellente Übungen, den Focus auf den Rhythmus zu richten. Jeder war von diesen Lernbeispielen fasziniert und machte gerne mit. Die Begeisterung im Raum war förmlich zu spüren. Mit einem sogenannten Rhythmusdiktat testete der Referent, ob seine Rhythmusschulung auch auf fruchtbaren Boden gefallen war. Die Teilnehmer mussten hier vorgespielte Rhythmen übertragen. Bei allen war erkennbar: Diese Lehrmethode ist beeindruckend, ja genial. Sie wünschen sich beim nächsten Mal mehr davon.
Den letzten Workshopteil am Samstag unterrichteten die Referenten Peter Schramm und Irene Link gemeinsam. Während Peter Schramm mehr den tanzsportlichen Aspekt, den fachlichen Rahmen zum Thema Balance: Innen & Außen übernahmt, ging Irene Link mehr auf die innere Balance, die eigene Körperwahrnehmung, das Körpergefühl bzw. den Energiefluss ein.
Jeder kennt das Phänomen: „Mit Musik geht am Anfang gar nichts“, obwohl die Musik läuft. Es fehlen die Voraussetzungen, die Balancen. Keiner steht fest auf seinem Fuß. Eine effektive Übung, sich zu finden, schafft man am besten über den meditativen Weg.
Irene Link motivierte die Teilnehmer am Anfang zu einer meditativen Übung. Das bedeutete zuerst einmal für alle stillzustehen und die Fußsohlen, die Zehen, die Fußkanten, Versen komplett zu spüren. “Fest verwurzelt“ mit dem Boden lässt sich im sogenannten „Pfahlstand“ im Fuß noch „viel bewegen“. Das wird dann mit Atmung kombiniert, und zwar beim Ausatmen nach vorne und beim Einatmen nach hinten gehen. Als nächstes wird durch den ganzen Körper „gewandert“. Am sogenannten Himmelsfaden, der imaginär aus der Schädeldecke des Kopfes nach oben verläuft, zieht man sich in die Länge. Augen und Arme werden mit einbezogen und mit Energie gefüllt, die Knie leicht gebeugt. Wir schaffen damit eine Körperhaltung, die die beste Voraussetzung für den Start zum Tanzen bildet, denn wir stehen zu 100 % auf unseren Füßen, ohne Hohlkreuz!
Wir sind bereit, unseren Körper und die Musik zusammen aufzunehmen.
Wollen wir tanzen, dann benötigen wir zunächst statische Balance, die horizontale und die vertikale. Wie wird diese erreicht? Peter zeigte die Abläufe und animiert die Teilnehmer, gleich aktiv mitzumachen. Weiter führte er aus, wie diese Balance richtig transportiert wird und erklärte die Senkrechte, die vom Schlüsselbein über den Rippenbogen zur Leiste verläuft.
Mit verständlichen, bildhaften Worten zeigte er eine Methode auf, wie diese physikalischen Wahrheiten am besten vermittelt werden können. Dass der Referent sein Ziel erreicht hat, bewiesen Teilnehmer gleich vor Ort, denn voller Eifer gingen sie im Training mit und nahmen sicher viele Informationen mit nach Hause.
Nachdem die Turnierleiter auch rhetorisch geschult wurden, gab es die obligatorische Regel- und Fehlerkunde, unterrichtet von Landesjugendwart Michael Braun. Die Brennpunkte des Tages behandelten Änderungen, die in der TSO vorgenommen wurden. Besonderheiten, die bei Turnieren im Jugendbereich und bei Landesmeisterschaften zu beachten sind, wurden eingehend erläutert. Außerdem ging Michael Braun auf den „Breitensportpass“ ein, der noch nicht bei allen Anwesenden bekannt war. Dazwischen wurde über einige Entscheidungen des Sportgerichts diskutiert. Logistik bei Turnierunterlagen ist bei vielen immer noch nicht angekommen und Michael machte den Versandweg zum wiederholten Male deutlich! Nach der Übersicht über die Altersgruppen 2010 gab er noch ein paar Neuigkeiten aus der Turnierszene an die Interessierten in dem voll besetzten Saal mit auf den Weg.
Ganz neu in diesem Jahr waren die Unterrichtseinheiten von Burkhard Hans. Der Repräsentant von Casamusica gab wissenswerte Tipps über Auswahl und Einsatz der richtigen Turniermusik. Es folgte eine sehr interessante Diskussion und so manch einem ging ein "Lichtlein" auf, warum auf seinem Turnier die Musik trotz toller Titel nicht so richtig ankam. Wir freuen uns auf „mehr davon“ im nächsten Jahr.
Formationsguru Ingo Körber ließ es sich auch in diesem Jahr nicht nehmen, die Turnierleiter auf einen eventuellen Einsatz bei einem Formationsturnier vorzubereiten: Besonderheiten bei Formationsturnieren hieß das Thema.
Dass Formationsturniere etwas Besonderes sind, zeigte sich beispielsweise bei den Deutschen Meisterschaften 2008 mit 6000 Zuschauern und 256 teilnehmenden Paaren (Ersatzpaare, Trainer und weitere Betreuer nicht eingerechnet).
Der Referent betreut selbst mehrere Formationen, die in unterschiedlichen Ligen bis hin zur 1. Bundesliga tanzen. Er verfügt deshalb über fundiertes Wissen über die speziellen Regelungen für Formationswettbewerbe. Außerdem weiß er die Teilnehmer mit praxisnahen Tipps zu versorgen, die er auf zahlreichen Turnieren gewonnen hat.
Turnierleiter und Beisitzer tragen die Verantwortung für die korrekte Durchführung des Turniers und müssen daher mit den besonderen Regularien von Formationsturnieren vertraut sein. So überprüft der Beisitzer bei den Stellproben die Regelkonformität einer Formation im Hinblick auf Anzahl der Paare, gezeigte Tänze, Verwendung von Fremdmusik und Lifts im wertungspflichtigen Teil. Ebenso ist darauf zu achten, dass bei den Stellproben keine Wertungsrichter anwesend sind.
In weiteren Themenblöcken befasst sich Ingo mit den Zulassungsvoraussetzungen für die Teilnahme an Formationswettbewerben, dem Ablauf von Stellproben und der Abwicklung der eigentlichen Wertungsrunden, sowie der Kleiderordnung und Bildaufzeichnungen.
Ingo empfiehlt den Ausrichtern von Formationsturnieren, bereits im Vorfeld durch sorgfältige Planung für eine funktionierende Infrastruktur und während des Wettbewerbs für eine angenehme, gelassene Atmosphäre zu sorgen. Formationen stehen während eines Turniers unter emotionalem Stress und sind dankbar, wenn die Turnierleitung sie von störenden Einflüssen von außen so gut wie möglich abschirmt.
Puuuuh – langsam neigen sich die Inhalte dem Ende zu. Claudia Michler und Georg Bichler gingen am Sonntagnachmittag auf medizinische Aspekte im Leistungssport ein.
Nach einem Erste-Hilfe-Kurs im Vorjahr haben Claudia und Georg in diesem Jahr das Thema Erstversorgung vor Ort bei Unfällen bzw. erkennen einer Verletzung, Diagnose und richtige Reaktion im Ernstfall aufgegriffen. Im kleinen Kreis zeigten beide am „lebenden Objekt“ wie man „typische Tänzerverletzungen“ diagnostizieren kann, ohne eine ärztliche Ausbildung haben zu müssen. Auch wie man durch regelmäßige Prophylaxe solche Verletzungen verhindern kann, wurde vorgestellt und hilfreiche Tipps an Trainer vermittelt. Nicht nur auf Turnieren, sondern oft genug auch im Training geschehen Ungeschicklichkeiten, die sich zu ausgewachsenen Verletzungen auswachsen können. Da ist der Trainer gefordert, zu erkennen, wann es für den Betroffenen einfach besser ist, das Training abzubrechen und den Schwerpunkt nicht auf das qualifizierte Training, sondern auf die Gesundheit zu legen. Tape, Aircast-Schiene, Kühlkompressen sind zwar durchaus sehr wertvolle Hilfsmittel, sie sind aber niemals Ersatz für gesunde Muskeln, Sehnen, Knochen oder Gelenke.
Hochinteressant und deshalb an den Schluss gesetzt, sind zwei Themen – das eine brisant und das andere stiefkindlich – noch ausführlich zu behandeln:
Wertungsrichter machen Fehler?
Mit dieser rhetorischen Frage begrüßt Ingo Körber, Sportdirektor für Ausbildung und Lehre im LTVB, etwa 30 Teilnehmer dieser überfachlichen Veranstaltung am Sonntagmorgen.
Die eindeutige Antwort lautet: Ja, Wertungsrichter machen Fehler, da auch sie nur Menschen sind – bekanntermaßen ist niemand perfekt. Diese Unterrichtseinheit basiert auf Beobachtungen, die bei Turnieren gemacht wurden, aber auch auf Gerüchten, die durch fehlerhaftes oder ungeschicktes Verhalten zu Irritationen und Fehlinterpretationen bei Außenstehenden führen und schnell ihre Runde machen.
Daher sollten Wertungsrichter stets ihr Verhalten beim Einsatz auf Turnieren hinterfragen und analysieren. Habe ich Fehler gemacht? Woher kommt der Fehler? Wie kann ich ihn vermeiden?
Fehler können technischer Art sein, z.B. Summierungsfehler auf WR-Zetteln, schwer „lesbare“ Kreuze oder nicht abgezeichnete Änderungen. Korrektes Ausfüllen erleichtert dem Protokollteam die Arbeit, erspart Rückfragen und vermeidet Verzögerungen in der Turnierabwicklung. Mitunter werden in Endrunden auch andere Wertungen gezogen, als auf dem WR-Zettel vermerkt. Gründe dafür können ein Versehen, eine geänderte Meinung oder Beeinflussung von anderen Wertungen sein. Dies führt zu Irritationen beim Protokoll und beim mitrechnenden Publikum. Im Zweifelsfall gilt immer die schriftliche, unterschriebene Wertung!
Wertungsrichter sollten sich stets bewusst sein, dass sie unter ständiger Beobachtung stehen. Ihr Verhalten kann Raum für Diskussionen und Fehlinterpretationen geben. Zu vermeiden sind u.a. Gespräche mit Teilnehmern (auch über Teilnehmer), Trainern und Wertungsrichtern vor/während eines Turniers, auch mit Zuschauern. Programmhefte und ausgedruckte Ranglisten haben am WR-Tisch ebenfalls nichts zu suchen. Ebenso sollte auf angemessene, dem Charakter der Veranstaltung entsprechende Kleidung geachtet werden.
Ein weiteres Thema in Ingo’s Vortrag nimmt das so genannte Wertungsgebiet „0“ ein. Gezielte Wertung von Paaren aus dem eigenen Verein oder Verband führt in der Regel zu einem verfälschten Meinungsbild, während die Blockbildung, d.h. die gleichmäßige Verteilung der verfügbaren Kreuze, eher einen Mangel an Entscheidungsfreudigkeit dokumentiert.
Man sieht, Fehler können in vielen Bereichen auftreten und sind schnell gemacht – oftmals mit weit reichenden und unumkehrbaren Konsequenzen für alle Beteiligten!
Das stiefkindliche Thema, nämlich die rechtlichen Aspekte, finden leider zu selten die richtige Beachtung. Vizepräsident Matthias Huber, seines Zeichens Volljurist, informiert Trainer und Übungsleiter darüber, was sie bei ihrer Tätigkeit in den Vereinen und für Vereine zu beachten haben.
Bevor er auf die eigentlichen Lehrgangsinhalte eingeht, macht Matthias bei den Teilnehmern Werbung für vereinsunterstützende Angebote des LTVB, wie den Event-Kalender für die Veröffentlichung von Terminen von Veranstaltungen mit übergreifendem Charakter. Unterstützung bietet der Verband auch bei der Wahrnehmung von Kooperationsangeboten öffentlicher Stellen, wie „Sport nach 1 in Schule und Verein“, Sport in der schulischen Ganztagsbetreuung, Freiwilliges Soziales Jahr im Sport (Möglichkeit der kostenlosen Absolvierung einer ÜL-Ausbildung über das FJS), tanzsportbetonte Schule - schulsportbetonter Verein.
Ein Schwerpunkt des Vortrags befasst sich mit der Haftung des Übungsleiters/Trainers bezüglich Aufsichts- u. Sorgfaltspflichten. Beaufsichtigt werden müssen Minderjährige und Personen, die wegen ihres geistigen oder körperlichen Zustandes der Aufsicht bedürfen. Aufsichtspflicht gilt vor, während und nach der Übungsstunde. Hilfreich ist eine schriftliche Vereinbarung mit den Eltern über Sorgfalts- u. Aufsichtspflichten. Für bestimmte Aktivitäten wie Reisen oder Schwimmbadbesuche ist unbedingt vorher das schriftliche Einverständnis beider Eltern einzuholen.
Ein Übungsleiter/Trainer genügt in der Regel seiner Aufsichtspflicht, wenn er die Minderjährigen eingehend über mögliche Gefahren belehrt, regelmäßig überprüft, ob diese Belehrung verstanden wird, und bei Missachtung der Anordnungen eingreift und durch seine Überwachung verhindert, dass ein Schaden entsteht. Neben der Aufsichtspflicht muss der Übungsleiter auch der Sorgfaltspflicht genügen, wobei der Personenkreis hierbei nicht auf Minderjährige begrenzt ist.
Aus dem Teilnehmerkreis wird ferner die Frage nach der Versicherung von speziellen Angeboten wie Schnupperkursen für die Gewinnung von Neumitgliedern gestellt. Für diese Angebote müssen vereinsfremde Teilnehmer beim BLSV gemeldet werden. Über Kurskarten kann für diesen Personenkreis kostengünstig und aufwandsarm Versicherungsschutz beim BLSV erwirkt werden. Alternativen sind befristete Vereinsmitgliedschaften oder die Auslagerung des Angebotes an externe Einrichtungen wie Tanzschulen und (Unter-)Vermietung der eigenen Räumlichkeiten.
Unterlagen zu diesem Lehrgang einschließlich nützlicher Hinweise für die Einhaltung der Aufsichts- u. Sorgfaltspflichten sowie Jugendschutzbestimmungen können per E-Mail an huber@ltvb.de in digitaler Form (Powerpoint-Präsentation) angefordert werden.
Ach ja – fast vergessen, aber viel beachtet – eine tolle Veranstaltung am Samstagabend:
Alpenseminar GALA-BALL
14 Jahre Alpenseminar – 14 Jahre Gala-Ball. Die diesjährige Ausgabe der LTVB-Traditionsveranstaltung besuchten am Samstagabend wieder zahlreiche Gäste, darunter auch viele Lehrgangsteilnehmer. Ingo Körber, der sich mit Rudolf Meindl in der Moderation abwechselte, versprach, dass nach einem anstrengenden Seminartag sich die Ballbesucher nun Zeit zum Tanzen, Genießen und Staunen nehmen können. Tatsächlich wartete die Tanz-Gala nach vier Jahren wieder mit einem reinen Showprogramm ohne Turnier auf. Dieses Konzept erlaubte ganz nebenbei vermehrt Gelegenheit zum Publikumstanz. Die Gäste nahmen dieses Angebot dankbar an, zumal Burkhard Hans von Casa Musica in bewährter Manier einmal mehr für abwechslungsreiche Tanzmusik sorgte.
Als Ehrengäste konnte der LTVB den Lehrwart des Baden-Württembergischen Landestanzsportverbandes, Rudi Gallus-Groß mit Gattin Anette sowie den Ehrenpräsidenten des LTVB und Lehrwart des DTV, Horst Krämer begrüßen. Besonders freute es Rudolf Meindl, dass erstmals der Präsident des Deutschen Tanzsportverbands das Alpenseminar besuchte. Franz Allert war direkt von der Präsidiumssitzung des DTV in Frankfurt am Main angereist. Die beiden Top-Referenten des Latein-Workshops, Landestrainer Hans-Reinhard Galke und Landesjugendtrainerin Manuela Faller, wohnten der Veranstaltung ebenfalls bei.
Die TSA der Regensburger Turnerschaft feierte dieses Jahr 30jähriges Vereinsjubiläum. Für besondere Verdienste um den Tanzsport wurde der Abteilungsleiterin Ursula Fendrich die Ehrennadel in Gold des LTVB überreicht.
Den ganzen Abend über konnten die Ballgäste Showeinlagen in verschiedenen Tanzdisziplinen vom Breitensport bis zum deutschen Spitzensport geniessen.
Den Anfang machten die Phönix Linedancer des TSV Raisting und der Country & Line dance Club The Eagles aus Maisach. Sie zeigten ein umfangreiches Repertoire aus dem Bereich Country & Western Tanz, darunter befinden sich bekannte Tänze wie Walzer und Cha-Cha-Cha, nur eben im Line Dance Stil interpretiert. Der Landesverband hat erst vor kurzem Mitgliedsstatus im LTVB erhalten. Rudolf Meindl begrüßte deshalb seinen Vorsitzenden, Robert Hahn, zugleich Vizepräsident des Bundesverbandes, besonders herzlich.
Eine namenlose Stepptanzgruppe, die ausschließlich aus bayerischen Trainerinnen und Trainern für Stepptanz bestand, hatte eigens für diesen Abend zwei Choreografien eingeübt, neben einem klassischen Programm auch Irish Dance, dass man unbedingt zweimal sehen wollte. Der ‚Trainer der Trainer‘, Volker Mandau, leitete übrigens im Rahmen des Alpenseminars einen Steptanz-Workshop.
Die Jazz & Modern Dance Disziplin wird von der Gruppe ‚Poison Roses‘ vom TSC Weiß-Blau 70 Waldkraiburg vorgestellt. Die jungen Damen, Fünfte der Regionalliga Süd, interpretieren ein Stück mit dem Titel ‚Kellnerinnen‘ so gut, dass auch hier eine Zugabe fällig war.
Die amtierenden Bayerischen Meister in den Standardtänzen, Maksim Tschernin und Carolin Scheithauer vom TSC Savoy München, präsentierten die Standardtänze nach der Musik von ‚Fluch der Karibik‘ in einer atemberaubenden Show und ernteten dafür lang anhaltenden Applaus. Ohne Zugabe ging hier nichts!
Den Abschluss des Showprogramms gestalteten die beiden bayerischen Spitzenpaare der Lateindisziplin: Marius Iepure und Christina Kessler vom TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg, Bayerische Vizemeister 2009, sowie Massimo Sinato und Tatjana Kuschill vom TSC dancepoint Königsbrunn, Bayerische Meister 2009 und Vierte der Deutschen Meisterschaft 2009. Marius und Christina begannen mit einer „Gänshautrumba“ und sorgten dafür, dass vom ersten bis zum letzten Lateintakt das Publikum gebannt mitging. Beide Paare – wohl auch inspiriert durch das Tagesprogramm des Seminars – lieferten Topleistungen ab! Auch hier wurde der zeitplan durch Zugaben nach hinten geschoben.
Alle Gruppen und Paare demonstrierten ihre Stilrichtungen in hervorragender Weise. Das begeisterte Publikum spendete viel Applaus für die dargebotenen Leistungen.
Damit ging ein überaus vergnügliches und kurzweiliges Showprogramm zu Ende. Den Ballgästen wurde ein kleiner Querschnitt aus der tänzerischen Vielfalt des Verbands präsentiert und zugleich hatten sie ausreichend Gelegenheit, selbst das Tanzbein zu schwingen.
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Nun den, mit diesen letzten Sätzen ist das Alpenseminar 2009 wohl endgültig vorbei und wir freuen uns schon riesig auf die nächste, die 15. Auflage dieser immer beliebter werdenden Veranstaltung. Die Teilnehmer sind länderübergreifend, Murnau hat sich nun wohl endgültig etabliert und ist die Heimat des Alpenseminars geworden. Nach dem Alpenseminar ist vor dem Alpenseminar! Dieser schon häufig bemühte Ausspruch bedeutet, dass der Termin 2010 schon steht, die ersten Gespräche mit neuen/alten Referenten schon geführt sind und das bewährte Team unter Leitung von Präsident Rudolf Meindl und Vizepräsident und Organisator Jürgen Heuer auch nächstes Jahr wieder „zuschlagen“ wird. Selbstverständlich wird auch ein Presseteam beteiligt sein. Bis dahin verbleibt Ihr/Euer diesjähriges Team mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches 2010.
Andrea Stöckl
Irene Werthmann
Peter Birndorfer
Lothar Pothfelder