Ausbildung ~ Alpenseminar

13. Alpenseminar 2008

Programm

Bilder vom Alpenseminar

Bericht vom 13. Alpenseminar 2008

Alpenseminar 2008

Im Gegensatz zum letzten Jahr war das Kultur- und Kongreßzentrum in Murnau diesmal „schneefrei“. Traditionell gab es auch wieder Aussteller – diesmal nur zwei, weil einer kurzfristig abgesagt hat. In diesem Jahr waren vertreten Eric Neumayer - unser Spezialist für Fräcke und wie im letzten Jahr auch wieder CASAMUSICA mit Burkhart Hans, der beim GALABALL wieder als DJ fungierte. Auch in diesem Jahr stellte er wieder unter Beweis, dass seine Musikauswahl einfach Spitze ist.

Die Eröffnung des 13. Alpenseminars sich der Präsident des LTVB, Rudolf Meindl nicht nehmen.

Die Lehre

LTVB-Lehrwart Ingo Körber begrüßte den ersten Referenten des diesjährigen Seminars und der Latein-Workshop mit Laurens Mechelke, Verbandstrainer des DTV, wurde mit Spannung erwartet. An seiner Seite standen als Demo-Paare Bayerns Beste, nämlich Massimo Sinato/Tatjana Kuschill und Marius lepure/Christina Kessler.

Thema des ersten Workshops war das diesjährige Thema des Alpenseminars: Tempo, Tempo.

Der sportliche Aspekt (höher, schneller, weiter) scheint bei Turnieren eine immer größer werdende Akzeptanz zu gewinnen. Wohl auch als Folge davon, dass bei großen Turnieren es extrem schwer ist, in der Vorrunde „gesehen“ zu werden. Differenzierungsmerkmale fehlen, es wird häufig nur gebolzt, aber man sollte nicht vergessen, dass Tempo nicht gleichzusetzen ist mit Geschwindigkeit, es ist lediglich ein Zeitmaß. Es gibt auch langsames Tempo. Für den Betrachter faszinierend sind schnelle Geschwindigkeitswechsel. Geschwindigkeit kann nerven, aber auch extrem interessant sein. Geschwindigkeiten dienen auch dazu, Bewegungen länger zeigen zu können. Aber hier ist es extrem wichtig, in der Musik zu tanzen, was dann sehr positiv ins Auge fällt sind tänzerische Grundaktionen, extreme Geschwindigkeitswechsel und Energieunterschiede, Lebendigkeit und Kommunikation im Paar. Ein Standardbeispiel im wahrsten Sinne des Worts ist William Pino („echter Hingucker“); er schafft extreme Geschwindigkeiten, aber auch extreme Ruhe, er erzeugt Stimmungswechsel und Spannungen. Sein Pendant im Lateinbereich: Brian Watson, spielt extrem mit seinem Körper und Geschwindigkeiten.

Laurens Mechelke baute seine Workshops (insgesamt fünf am Freitag und am Samstag) auf den vier Hauptgeschwindigkeiten auf:
1. Rotationsgeschwindigkeit
2. Druckgeschwindigkeit
3. Fallgeschwindigkeit
4. Führungsgeschwindigkeit

Wichtig ist das Timing im Paar, die Führung über die Handhaltung ist direkt, aber nachgiebig. Aktionen sollen geschmeidig aussehen und Führung nicht sichtbar sein. Um den Lerneffekt zu gewährleisten durften praktische Übungen neben den anschaulichen Demonstrationen der beiden Spitzenpaare nicht fehlen. Laurens lud alle Teilnehmer dazu ein, die praktische Umsetzung der vier Hauptgeschwindigkeiten anhand einer kleinen, endlos tanzbaren Rumbafolge zu üben. Der Nachmittag endete mit einem kleinen Wertungsturnier über vier Tänze. Die Teilnehmer fungierten dabei als Publikum und Wertungsrichter. Die Demopaare wurden im Vorfeld durch Laurens instruiert, in den einzelnen Tänzen unterschiedliche Bewegungsqualitäten an den Tag zu legen. Außerdem wurden neben freien Choreografien zum Teil reine Basic oder festgelegte Figurenfolgen gezeigt. Dadurch hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die tänzerischen Leistungen anhand des Hauptthemas zu beurteilen und unterschiedliche Energieniveaus und Geschwindigkeitswechsel klar zu erkennen. Während abwechselnd das eine Paar auf gleichem Energieniveau tanzte, zeigte das andere Paar viel mehr Wechsel in den Körper-Rhythmen, wobei sich spielerische Momente mit plötzlichen Geschwindigkeitswechseln ablösten. Der Vergleich machte deutlich, wie wichtig der dosierte Einsatz von Tempi für qualitativ hochwertiges Tanzen ist. Dabei müssen Geschwindigkeitswechsel häufiger und schneller kommen. Wird auf hohem Energie- und Geschwindigkeitsniveau über mehr als zwei Takte getanzt, ist das schon zuviel. Dies wurde zum Abschluss nochmals verdeutlicht, indem die Demopaare jeweils drei Versionen eines Tanzes zeigten.

Am Samstag warteten die "Lateiner" schon gespannt auf die Fortsetzung freitäglichen Arbeit. Zu Beginn gibt Laurens eine kurze Zusammenfassung über die Themen vom Vortag, um den neu hinzugekommenen Lehrgangsteilnehmern den Einstieg zu erleichtern. Das Thema „Tempo Tempo“ führte er anschließend in der Samba weiter. Zusammen mit den Teilnehmern erarbeitete er für diesen Tanz charakteristische Grundbewegungen. Wie am Vortag unterstützen unsere bayerischen Spitzenpaaren Massimo Sinato/Tatjana Kuschill und Marius Iepure/Christina Kessler zur Veranschaulichung der Theorie.

Samba ist ein pulsierender Tanz und sollte sich von anderen Tänzen wie Cha-Cha deutlich unterscheiden. Er ist geprägt von vielen Druck- und Fallgeschwindigkeiten und erfordert ein hohes Maß an Kontrolle der Muskulatur in den Grundaktionen. Aktionen erfordern ein Auftaktdenken mit anschließendem Auslaufen der Bewegung. Knieaktionen dürfen nicht stoppen, sondern arbeiten kontinuierlich weiter. Die Beine sind normal gestreckt, nicht überstreckt wie in den anderen Tänzen. Die Wirbelsäule bewegt sich stets senkrecht im Raum und nicht in einer fallenden Position, das Becken hat dadurch unheimlich viel Freiheit. Extrem wichtig ist auch, dass eine Bewegung immer über der Ferse anfängt, um kontrollierte Druckbewegungen zu ermöglichen. Zum Ende seiner Workshops ging er noch auf die Führung im Lateintanzen ein. Hier spielen Eigenbalancen eine wichtige Rolle, zumal es bei Mann und Frau unterschiedliche Balancelinien gibt. Über eine relativ lockere Handhaltung wird eine beständige, sehr feine Verbindung zwischen beiden Partnern gehalten, wobei der Oberkörper der Dame in Richtung zum Herrn arbeitet.

Durch gemeinsame Übungen mit einem Partner machen sich die Teilnehmer die Grund-Prinzipien der Führung zu Eigen.
Laurens Mechelke und die Demopaare werden mit kaum nachlassendem Beifall verabschiedet.

Schon am Feitag „schlug“ auch die Standardsektion zu. LTVB-Verbandstrainerin Kerstin Stettner – unterstützt von Marc Scheithauer – begrüßt die Teilnehmer zu Ihrem Work-Shop. Auch im Standardbereich bleibt das Seminarmotto Tempo Tempo das Motto. Was muss man tun, um Geschwindigkeitsunterschiede im Tanzen sichtbar zu machen. Tempo!? Tempo ist als Zeiteinheit innerhalb der Musik definiert, beginnt an einem bestimmten Ort und hat eine bestimmte Länge. Für das richtige Tempo spielen drei Punkte eine wichtige Rolle: Musikalität, Schwerkraft (wirkt immer) und Muskelkraft (dosierbar und durch Training steigerungsfähig).

Anhand von Waltz und Slowfox vermittelten Kerstin und Marc (selbst auch als Demopaar fungierend) den Teilnehmern unterschiedliche Bewegungsqualitäten, die sich durch Einsatz der Muskelkraft gegen die Schwerkraft ergeben. Durch eine einfache Übung überprüften die Teilnehmer zunächst die eigene Muskelkraft und deren Bedeutung für den Einsatz des Fußgelenks zur Kontrolle der Geschwindigkeit des Körpers. Im Anschluss wurde anhand von einfachen Folgen im Waltz und Slowfox die Kontrolle der Körpergeschwindigkeit intensiv geübt.

Zum Abschluss zeigten die Beiden einen ausgezeichnet getanzten Waltz mit vielen Rhythmuswechseln, für den sie den verdienten Applaus der Teilnehmer entgegennahmen.

Die Fortsetzung der Standard-Workshops folgte am Samstag und Sonntag mit einem weiteren DTV-Verbandstrainer, mit Rüdiger Knaack. An seiner Seite als Demonstrationspaar sind die aktuellen bayerischen Landesmeister Dragan Meshkov und Julia Belch. Um gleich richtig in die Materie des Standardtanzens einzusteigen, ließ Rüdiger Knaack die Teilnehmer auf die Fläche kommen und das „Gehen“ üben.

Alleine, mit Partner, vor und zurück, um ein Gefühl in den Füßen zu bekommen. Danach erprobte er die Rotationen, Drehungen und Neigungen und auch das Heben und Senken mit den Teilnehmern. Die Geschwindigkeit in diesen Bewegungen ergibt sich aus dem Zusammenspiel der Muskeln mit der freigesetzten Energie und dem kontrollierten Umgang damit. In der Figurenkombination halbe Rechtsdrehung–Kreisel zeigten Dragan und Julia, wie sich Bewegungen verändern, wenn Rotation und Neigungsgeschwindigkeit erhöht werden. Anschließend wurde auch das von den Teilnehmern ausprobiert, um zu spüren wie sich der Unterschied anfühlt. Zwei Gruppen „fegten“ schließlich über die Fläche, die aufgrund der zahlreichen Paare viel zu klein für alle gewesen wäre.

Der heutige Abschluss der Standardfraktion baute logischer Weise auf den vorherigen Workshop auf. Nach einer Zusammenfassung des bisher Erlernten verdeutlichten Dragan und Julia, wie die Bewegung beginnt, zunimmt und dann ankommt. Sie zeigten, wo das Heben in der Figur beginnt und schließlich eine stationäre Bewegung zustande kommt.

Beim nächsten Tanz auf dem Programm, dem Tango, ging Rüdiger Knaack auch auf den Begriff „Stakkato“ ein. Bewegung, die Grundlage eines jeden Tanzes, wurde nun in verschiedenen Facetten erprobt. Zuerst wieder „gehen“, das freie Bein spüren, das Bewusstsein finden, im Tango später, aber schneller die Füße zu setzen, während der Körper langsamer ist. Kontinuierlich, sich gleichförmig bewegen ist das Geheimnis im Tango. Anders als in den Schwungtänzen bewegen sich die Beine isoliert vom restlichen Körper. In der Rückwärtsbewegung geschieht prinzipiell das gleiche, funktioniert aber nur, wenn der Vorwärtsgehende den Impuls (durch Andrehen) weitergibt und damit die rückwärtige Bewegung vorbereitet. Das Bein geht rückwärts und setzt auf einem flachen Ballen auf.

Die richtige Bewegung im Viererschritt: Die Bewegungsenergie kommt (wie in den Schwungtänzen) aus der Körpermitte und ermöglicht den exakten Fluss der Bewegung. Zuerst alleine, dann paarweise waren die Tänzer aufgefordert, das Gezeigte selbst umzusetzen und den Unterschied zu fühlen.
Auch hier wurden Referent und Demopaar mit viel Applaus verabschiedet.

Traditionell hat der Sonntag ja doch ein wenig Ähnlichkeit mit dem Samstag. Das liegt in der Natur der zu erwerbenden Unterrichtseinheiten für den Lizenzerhalt. Die Sonntagsworkshops baute Rüdiger Knaack so geschickt auf die vorherigen Unterrichtseinheiten auf, dass niemand auf die Idee kam, am Samstag nicht dabei gewesen zu sein. Obwohl sich nach drei Tagen die erste Aufbruchstimmung bemerkbar machte, blieben die Workshops bis zum Ende gut besucht und auch am Sonntag gab es den Abschluss mit viel viel Applaus.

Aber nach soviel Standard und Latein dürfen die „Überfachlichen“ Mit Bernd Junghans (Bewegungskehre, Spannungsaufbau, Geschwindigkeit und Tango Argentino) und Salsa mit Claudio Pacheco nicht zu kurz kommen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Lehrwart Ingo Körber begann Bernd Junghans mit seinem Workshop „Bewegungslehre“. Passend zum Rahmenthema des Wochenendes „Tempo Tempo“ führte er in die Struktur von Bewegungen ein. Bewegungslehre beinhaltet äußerlich sichtbare Abläufe sowie körperinterne Steuerungs- und Funktionsprozesse. Dabei erläutert er, wie Trainer, Wertungsrichter und Übungsleiter mit den Tänzern Bewegungen definieren und den Bewegungsablauf erarbeiten. Bernd Junghans bringt nahe, wie Bewegungsabläufe zustande kommen und welche Muskeln benötigt werden, um die Bewegung entstehen lassen zu können.

Spannungsaufbau war ein weiteres Thema. Zuerst erklärte er, dass Spannung in drei verschiedene Teile aufgeteilt wird (saggittale, frontale und horizontale oder transversale Ebene). Mit praktischen Beispielen wurden den Teilnehmern diese Ebenen auch verdeutlicht und gezeigt, wo sich im Körper die (3 !) Achsen befinden, denen man sich schon beim richtigen Aufstellen bewusst sein sollte. Als visuelles Beispiel zeigt Bernd einen Umzugskarton, der am Boden nass ist. Die darin transportierten Bücher brechen bei einer Bewegung durch den Boden, wenn die richtige Muskulatur hier nicht aktiviert wird. Mit einfachen aber effektiven Übungen wird dargestellt, wie sich die Veränderung (Spannungsaufbau und Spannungsabfall) in der Muskulatur auswirkt und wie stark sich diese Veränderung anfühlt. Diese Spannungsdifferenzen sind selbstverständlich während des ganzen Tanzens auch sichtbar.

Noch sichtbarer wurde dann der Umzug in den großen Saal, in dem Bernd Junghans mit seiner Frau Christine über den Tango Argentino referierte und dessen Wesen mit praktischen Beispielen verdeutlichte. Er begrüßte zahlreiche Teilnehmer und führt die Anwesenden in die Grundprinzipien dieses Tanzes ein und erarbeitet mit ihnen eine einfache Übungsfolge, die im Laufe des Workshops durch weitere Elemente angereichert wurde. Der Tango Argentino bietet viel Spielraum zur persönlichen Interpretation. Im Gegensatz zum klassischen Tango nehmen die Partner eine Umarmungshaltung ein. Hierbei hat die Dame die Aufgabe, ihrem Partner immer genau gegenüber zu stehen (Brustbein vor Brustbein, der Oberkörper lehnt dabei gegen den Partner). Der Rahmen ist sehr eng und wird die ganze Zeit über gehalten. Tango Argentino lebt von Drehungen, insbesondere von so genannten Ochos, also Swivel-Drehungen, die eine liegende Acht beschreiben. Die Grundhaltung erfordert eine Isolation des Hüftbereichs vom Oberkörper sowie eine maximale Drehfähigkeit des Beckens, um starke Drehungen ausführen und außenseitliche Positionen einnehmen zu können. Wenn der Herr einen Impuls zur Drehung gibt, sollte die Dame die Rotationsbewegung zuerst im Becken ausführen, das Setzen der Füße erfolgt erst danach. Durch die Stärke des Impulses steuert der Herr den Umfang der Drehung und fühlt dabei ab, wie weit die Dame die Bewegung ausführt, um danach selbst die Füße positionieren zu können. Diese Grundprinzipien setzen die Teilnehmer anhand der Übungsfolge mit viel Engagement in die Praxis um proben durch Führen und Fühlen den Dialog zwischen den Partnern. Das Senden und Empfangen von Impulsen ermöglicht erst die freie und zwanglose Interpretation dieses Tanzes. Na dann mal los!

Ein weiterer überfachlicher Workshop wartete dann am Sonntagmorgen auf die Lizenzerhalter: Salsa mit Claudio Pacheco. Trotz der frühen Stunde (so kurz nach dem Galaball!), fanden sich erstaunlich viele Teilnehmer ein. Zu Beginn seines Workshops studierte Claudio mit den Tänzern das Schrittmuster einer Folge aus Seit- und Rückwärtsschritten, Rechts- und Linksdrehungen ein. Zu den Klängen typischer Salsamusik übten die Teilnehmer die Schritte zunächst jeder für sich. Danach wurde die Folge paarweise in Tanzhaltung in Angriff genommen. Grundschritte wechselten sich mit Platzwechseln und Drehungen der Dame und des Herrn ab. Die Tänzer waren mit sichtlichem Eifer bei der Sache und folgten aufmerksam den Anweisungen des Referenten. Der Rhythmus der Musik ging zusehends ins Blut der Teilnehmer über und äußerte sich durch verstärkten Einsatz von Armen und Schultern als Ausdrucksmittel in den Grundaktionen. Die Folge wurde weiter ausgebaut und es kamen Elemente hinzu, die bereits von anderen Modetänzen bekannt sind, beispielsweise Dreh- und Wickelfiguren aus dem Discofox.

Zum Abschluss hatte Claudio für die Teilnehmer noch ein Gruppenerlebnis der besonderen Art auf Lager. Dazu nahmen alle in einem großen Kreis Aufstellung, Damen und Herren abwechselnd nebeneinander. Während die Herren Grundschritt am Platz tanzten, wurden die Damen durch Platzwechsel und Drehen an den nächsten Herrn „weitergereicht“. Mit dem neuen Partner wurde dann die Übungsfolge getanzt. Das Spiel wiederholte sich solange, bis unwiderruflich das Ende des Workshops nahte.

Die weiteren überfachlichen Unterrichtseinheiten fanden zwar mit weniger Bewegung statt, waren aber deshalb nicht minder interessant. Auch unser bewährtes Team der Malteser, Claudia Michler und Leonie Willam, unterrichteten in sechs Einheiten über Maßnahmen, die häufig in Alltagssituationen Anwendung finden könnten; zum Beispiel das Anlegen eines Druck- oder auch – gerade für Sportler wichtig – eines Tapeverbands.

Genauso klassisch waren die Turnierleiter unterwegs:
Michael Braun verbreitet die Fehler- und Regelkunde – will heißen, er erläutert alle Änderungen seit der letzte TL-Schulung. Es sind sehr interessante Beiträge, die in den letzten Wochen und Monaten auffällig waren. Diese Auffälligkeiten bezogen sich vor allem auf Fehlerquellen bei der Umsetzung von Änderungen der TSO. Außerdem machte er auf Änderungen, die bereits im Tanzspiegel veröffentlicht wurden, aufmerksam. Neuerungen ergaben sich bei der Regelung der Turnierkleidung und bei den Eintragungen im Startbuch. Außerdem erwähnte er (pflichtgemäß), dass eine Senioren B Latein Startklasse geöffnet wurde und ging ein wenig deutlicher auf die Neuregelung bei den Aufstiegspunkten ein. Auch wies er darauf hin, dass das neue Ranglistensystem (mit dadurch neu geschaffenen Voraussetzungen für deutsche Meisterschaften) im Juni 2008 im Tanzspiegel veröffentlicht wurde.
Die häufigsten Fehlerquellen bei der Umsetzung von Neuerungen in der TSO barg allerdings die Änderung des Aufstiegssystems. Hier wurde besonders darauf eingegangen und mit den Teilnehmern diskutiert, wie man diese Fehler vermeiden kann. Zwar ist jedes Paar selbst für die Richtigkeit der Eintragungen im Startbuch verantwortlich, dennoch müssen Turnierleiter bzw. die Beisitzer die Richtigkeit vor dem Start überprüfen.

Die traditionelle Fortsetzung der TL-Einheiten nahm mit der Rhetorik, unterrichtet durch Irene Link, ihren Lauf. In gewohnter Manier erarbeitet sie die wissenschaftlichen Grundlagen der Kommunikation; mit verschiedenen Ausflügen zum Selber-Erleben vermittelt sie die Theorie nicht nur sehr anschaulich, sondern macht das Lernen gleichermaßen zum Erlebnis.

Die Kernfragen: „Wie und mit welchen Mitteln kommuniziert man eigentlich miteinander?“ und „Was kommt in welcher Art am Besten beim Anderen an?“ werden aus verschiedenen Richtungen eingehend beleuchtet und diskutiert.

Auffällig ist, dass die Unterrichtseinheit von Anfang an und ganz selbstverständlich im Dialog lebt. Unterricht einmal anders, sozusagen zum Sofort-Erleben, was von den Teilnehmern mit Begeisterung und entsprechend fröhlich-förderlicher Mitarbeit aufgenommen wurde. Verschiedene Möglichkeiten zur effektiven Vorbereitung eines persönlichen Auftrittes ‚vor Vielen’ sowie die Hilfs- und Merkmittel zur erfolgreichen Gestaltung desselben werden ebenso beleuchtet wie die individuelle Vorbereitung zur Vermittlung eines Lernstoffes an den Einzelnen.

Das Besondere hier: Die Rhetorik wurde erstmals auch für Trainer als überfachliche Unterrichtseinheiten angeboten. Dies fand einen mehr als erwartet hohen Zuspruch.

Eine weitere Neuerung für die Turnierleiter bot Lehrwart Ingo Körber an: Turnierleitung für Formationen. Er begrüßte die Teilnehmer zum letzten Lehrgang des Tages und verschaffte sich einen Überblick über deren Erfahrung mit Formationsturnieren. Ein Großteil der Teilnehmer hat zumindest schon mal ein Formationsturnier live gesehen, einige wenige haben derartige Turniere geleitet. Dass Formationsturniere etwas Besonderes sind, zeigte sich bei den kürzlich ausgetragenen Deutschen Meisterschaften mit 6000 Zuschauern und 256 teilnehmenden Paaren.

Der Turnierleiter trägt die Verantwortung für die korrekte Durchführung des Turniers und muss daher mit den besonderen Regularien von Formationsturnieren vertraut sein. In seinem Vortrag nimmt Ingo Stellung zu wichtigen Themen wie den Zulassungsvoraussetzungen für die Teilnahme an Formationswettbewerben, die Zusammensetzung einer Formation, die zu zeigenden Tänze, unzulässige Figuren und Musikauswahl im Bewertungsteil, Ablauf von Stellproben und den eigentlichen Wertungsrunden.

Des Neuen aber nicht genug gab es in diesem Jahr erstmals auch zwei UEs zum Thema „Rechtliche Aspekte“. Vizepräsident Matthias Huber, im Hauptberuf Jurist, versammelte pünktlich um 09:30 Uhr im Raum Staffelsee eine kleine Hörergemeinde um sich. Mit bekanntem Scharfsinn brachte er die Weiten der juristischen Welt der Spitzfindigkeiten auf den jeweiligen Punkt. Die Anwesenden hörten spannend erzählte Beispiele aus dem Alltag, die das Gehörte sofort als Erinnerung vertiefen konnten. Die Themengebiete der UEs drehten sich im Einzelnen um folgende rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Tätigkeit als Trainer oder Übungsleiter (neu: Trainer C Breitensport):
- Haftung des ÜL
- Jugendschutzbestimmungen
- Hartz IV im Sport
- Arbeitslosengeld II im Sport
- Freiwilliges soziales Jahr
- Schulsport
- Sportversicherung

Matthias Huber beschreibt seine beiden UEs als kleinen Crashkurs zur Wiederholung und Auffrischung dessen, was schon in der Ausbildung gelernt und vermittelt wurde, wobei der ausführliche Schwerpunkt bei den Haftungsfragen und dem rechtlichen Rahmen bei der Unterrichtung von Kindern und Jugendlichen lag.

Soweit der Überblick über die diversen Lehrinhalte, aber das war ja noch nicht alles:

Die Welcomeparty

Auch diese erfreut sich steigendem Interesse; es waren fast 50% mehr Teilnehmer da als im Jahr zuvor. Nach den Begrüßungsworten von Rudolf Meindl wurde ordentlich „zugeschlagen“: Die hervorragende Küche des Restaurants Auszeit bewältigte dieses unerwartete Mehr aber problemlos. Fast alle Referenten, der Ehrenpräsident des LTVB Horst Krämer mit Gattin Ulla Mader-Krämer, das gesamte Präsidium des LTVB und und und….. Die Stimmung einfach Klasse und die Unterhaltungen bezogen sich – wie soll es anders sein? – auf Tanzsport in jeder Facette.

Der Galaball

Alle Jahre wieder Alpenseminar. Auch in der nunmehr 13. Auflage hieß Lehrwart Ingo Körber die Gäste, darunter viele Besucher aus dem gastgebenden Murnau, zum mittlerweile traditionellen Galaball des LTVB herzlich willkommen. In diesem Jahr bildete der Ball den festlichen Rahmen für ein Einladungsturnier der Hauptgruppe A/B-Standard um den Ehrenpreis des Verbands. Elf Paare aus nahezu allen Regionen Bayerns sowie ein Paar aus der Schweiz folgten der Einladung. Neben einem fachkundigen und begeisterungsfähigen Publikum erwartete die Tänzer ein hochkarätig besetztes Wertungsgericht.

Nach einer ersten Tanzrunde für das Publikum übergab Ingo Körber das Mikrofon an Rudolf Meindl, der an diesem Abend das Amt des Turnierleiters übernahm. Bevor er die Paare unter den Klängen eines Wiener Walzers einzeln vorstellte, begrüßte der amtierende Präsident des LTVB seinen Vorgänger Horst Krämer, der als Ehrenpräsident des LTVB und als Lehrwart des DTV es sich nicht nehmen ließ, zusammen mit seiner Frau Ulla Mader-Krämer wieder einmal „sein“ Bayern zu besuchen. Begleitet von seiner Tochter war Herr Kern, Leiter Öffentlichkeitsarbeit und Marketing beim BLSV als weiterer Ehrengast der Einladung des LTVB gefolgt.

Zur Freude des Publikums und natürlich der Paare wurde die Vorrunde des Einladungsturniers in drei Gruppen durchgeführt. Ausreichend Gelegenheit für die Herren Wertungsrichter, in der Mehrheit zugleich als Top-Referenten des Alpenseminars tätig, sich einen ersten Eindruck von den Leistungen der Tänzer zu verschaffen. Sechs Paare empfahlen sich schließlich für das Finale.
Bis dahin nahmen die Ballgäste das Parkett wieder für sich in Anspruch. Zwischendurch folgten Showeinlagen der Extraklasse. Claudio Pacheco, gebürtiger Kubaner und Inhaber einer Tanzschule in München, begeisterte zusammen mit seiner Partnerin Claudia das Publikum mit einer mitreißenden Salsa-Show.

Dass Bayern im Rock’n’Roll national wie international überaus erfolgreich ist, bewiesen zwei Top-Paare vom RRC Jahn Landsberg. Annalena Neuner/Stefan Nowak sowie Martina März/Florian Weigl gaben sich als Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft und frisch gekürte Drittplatzierte der DM in der Schüler- bzw. A-Klasse die Ehre.

Nach diesem Ausflug in die überaus vielfältige Welt des Tanzsports stand nun mit dem Finale des Einladungsturniers der Höhepunkt des Abends auf dem Programm. Die besondere Form eines Einladungsturniers gestattete die Aufteilung der Endrunde in zwei Gruppen. Nach jedem Tanz bat Rudolf Meindl alle sechs Paare nochmals zu einem gemeinsamen Auftritt auf das Parkett. Mit fast allen Bestnoten gingen Dominik Fenster/Stefanie Pavelic (TSC 71 Bad Wörishofen) als eindeutige Sieger des Turniers hervor. Den Ehrenpreis nahmen sie in Form eines Glaspokals entgegen. Ihre herausragende Leistung wurde mit einem Trainingskostenzuschuss zusätzlich belohnt. Mit einem Langsamen Walzer als Ehrentanz präsentierten sie sich nochmals dem Publikum, das die beiden mit viel Applaus von der Tanzfläche verabschiedete.

Vor der Siegerehrung hatten die Ballgäste nochmals Gelegenheit, selbst das Tanzbein zu schwingen sowie eine letzte Showeinlage zu genießen. Die Landesmeister und Dritte der Mitteleuropameisterschaft in den lateinamerikanischen Tänzen, Massimo Sinato/Tatjana Kuschill (TSC dancepoint Königsbrunn) demonstrierten wie am Tag zuvor in den Latein-Lectures ein weiteres Mal ihr überragendes Können. Das begeisterte Publikum forderte frenetisch eine Zugabe, der sie nur zu gern nachkamen.

Die Wahl des schönsten Turnierkleides gewann nach eindeutigem Votum der Ballgäste Theresa Meindl, Finalteilnehmerin und rein zufällig die Tochter des Turnierleiters. Von ihrer Mutter bekam sie außerdem den Preis zu ihrer Wahl überreicht.

Bis Ballende gehörte die Tanzfläche nun dem tanzfreudigen Publikum. Ein besonderer Dank gebührt auch Burkhard Hans von Casa Musica, der den ganzen Abend über durch eine hervorragende Musikauswahl Ballgäste und Turniertänzer gleichermaßen verwöhnte.

Der nächste Galaball lässt leider noch ein Jahr auf sich warten und findet am 14. November im Rahmen des 14. Alpenseminars statt.

Das Ergebnis des Einladungsturniers um den LTVB-Ehrenpreis:

1. Dominik Fenster/Stefanie Pavelic, TSC 71 Bad Wörishofen
2. Andreas und Katharina Matery, TSG Bavaria Augsburg
3. Dr. Markus Lilli/Manuela Wichmann, TSC dancepoint Königsbrunn
4. Constantin von Saucken/Theresa Meindl, TSC Savoy München
5. Thomas Nadler/Kerstin Hajek, TSC Savoy München
6. Jakob Komor/Anna Drummer, TSG Bayreuth

Programm des 13. Alpenseminars 2008




Zum Seminarflyer (pdf-Format) gelangen Sie hier.

Aktuelles Seminarprogramm (Stand: 9. Oktober 2008)

(Änderungen im Programm und bei den Referenten bleiben vorbehalten.)


Die Anmeldung zum Alpenseminar des LTVB ist nur möglich über die Geschäftsstelle des LTVB, Georg-Brauchle-Ring 93, 80992 München, Telefon: 089-15702-441 oder Fax: 089-15702-450 oder e-Mail: Geschaeftsstelle@ltvb.de.

Bitte sorgen Sie im Vorfeld für die rechtzeitige Überweisung der Lehrgangs- oder Seminargebühren auf das Konto des LTVB bei der Postbank (BLZ 700 100 80) Kto.: 725 257 808.

Formular für Hotelreservierungen (pdf-Format) - bitte ausschließlich an die Touristik-Information Murnau faxen.