Ausbildung ~ Alpenseminar

10. Alpenseminar 2005

Programm

Bilder vom Alpenseminar

Bericht vom 10. Alpenseminar 2005


Jubiläums-Alpenseminar – Alles unter dem Schirm der Balancen

„Zehn Jahre ist für ein Tanzsportseminar nicht nur eine erfreulich lange Zeit, sondern beweist eindrucksvoll, dass das Seminarangebot wirklich gut sein muss“, so eröffnete LTVB-Präsident Horst Krämer sichtlich erfreut das 10. Alpenseminar des LTVB, das vom 11. bis zum 13. November 2005 in Murnau stattgefunden hat. Diesen Anspruch gerecht werdend, hatte LTVB-Lehrwart Wolfram Galke auch in diesem Jahr wieder herausragende Referenten verpflichtet, die ein umfangreiches und interessantes Lehrgangsangebot präsentierten.

Das LTVB-Alpenseminar, das sich mit dem Schwerpunkt Balancen beschäftigte, hat nach Krün und Bad Wörishofen im Kultur- und Tagungszentrum in Murnau eine neue und hoffentlich endgültige Heimat gefunden. Die von Jahr zu Jahr gestiegenen Teilnehmerzahlen aus dem In- und naheliegenden Ausland machten eine erneute Ortsveränderung notwendig. In Murnau stimmen nicht nur die Rahmenbedingungen, es können auch wieder alle Veranstaltungen in einem Haus stattfinden. Dies wirkte sich auf die Lehrgangsatmosphäre merklich positiv aus.

Trainingslehre

Mit dem Unterrichtsaufbau und Möglichkeiten zum Balancetraining befasste sich Manfred Orth. Er stellte seine beiden Lectures unter folgenden Feststellungen: „Tanzen als Sport braucht Regeln. Die Technik der Tänze sind die Regeln. Diese Regeln muss der Wertungsrichter, Trainer und Tänzer kennen.“ Er wollte damit verdeutlichen, wie wichtig es ist, die Technik des Tanzens zu kennen. Die Technik macht die Qualität einer Bewegung aus. Nachdem er erklärt hatte, dass Dynamik in der Bewegung aus Anspannung und Loslassen entsteht, ging es zum „Kegeln“. Das heißt, Manfred Orth wollte anhand dieses praktischen Beispieles zeigen, wie durch den Einsatz des ganzen Körpers die Kraft auf die Kegelkugel übertragen wird, damit diese sich nach vorne bewegt. Diesen Bewegungsablauf übertrug er dann ganz einfach auf eine Rechtsdrehung im Langsamen Walzer. Zuerst wurde dies ohne Partner(in) ausprobiert. Hierbei kam es schon vor, dass so viel Dynamik erzeugt wurde, dass sich eine Teilnehmerin am Boden wieder fand. Manfred Orths Kommentar dazu: „Das nenne ich mutig“. Weiter sagte er, dass er sich wünschen würde, wenn mehr Tänzer(innen) soviel Mut beweisen würden und versuchen an ihre Grenzen zu gehen. Er ließ den Teilnehmern diesen so injizierten Bewegungsablauf mehrfach ausprobieren und üben, bis schließlich zusammen mit dem Partner bzw. der Partnerin getanzt wurde. Immer wieder gab Manfred Orth witzige Kommentare, welche die zwei Unterrichtseinheiten wie im Flug vergehen ließen. Zum Schluss baute er das Thema in einer kleinen Übungsfolge weiter aus. Er konnte auf seine unterhaltsamen Art die Teilnehmer zum Mitmachen motivieren und begeistern. „Graue Theorie sehr anschaulich erklärt, Manfred Orth hat den Spagat zwischen Wissenschaft und tänzerischer Bewegung geschafft“ – diesem Fazit von Wolfram Galke schlossen sich die Teilnehmer nur zu gerne an.

Brian Watson und Carmen

Absolutes Highlight des diesjährigen Alpenseminars waren die sechs Unterrichtseinheiten von Brian Watson und Carmen. Mit ihrer sympathischen und völlig natürlichen Art nahmen Brian und Carmen die Teilnehmer von Anfang an für sich ein. Beide haben in Murnau sicherlich eine große Anzahl neuer Fans gewonnen, kann man doch nicht jeden Tag mehrfache Weltmeister live und ganz nah erleben.

„Balancen kann man nur erfahren, wenn man die Grenzen der Balancen überschreitet“, so eröffnete Brian Watson die Lecture. Für die Teilnehmer hieß es nicht nur passiv zuschauen, sondern den Unterrichtsinhalt selbst zu erleben. Carmen forderte sie auf, mit den Balancen zu experimentieren, die Grenzen zu erfahren und so ein Gefühl für den eigenen Körper und dessen tänzerische Möglichkeiten zu erlangen. Balanciert tanzen kann man, so mussten die Übungsleiter und Trainer erkennen, nur mit der richtigen Vorbereitung des Körpers; der Körperschwerpunkt hat sich über dem jeweiligen Standfuß zu konzentrieren. Fehlt es an der Mitnahme des Balancezentrums, dann bleibt in der eigentlichen tänzerischen Bewegung für eine Korrektur von Fehlern meist keine ausreichende Zeit mehr.

Waren die eigenen Balancen erst einmal gefunden, standen die Teilnehmer vor der Aufgabe, diese nun beim gemeinsamen Tanzen im Paar nicht zu verlieren, sondern vielmehr in eine Paarbalance umzusetzen. Brian und Carmen demonstrierten hierzu anschaulich, wie der Herr mit seinem eigenen Körper Signale aussenden kann, die bei der Dame eine Reaktion auslösen. „Unfortunately I am an artist and not a machine“ motivierte Brian die Teilnehmer, wenn sich der gewünschte Erfolg bei der praktischen Umsetzung nicht sofort einstellen wollte. Schwierigkeiten ergeben sich vor allem immer dann, wenn die Impulse für Richtungswechsel nicht aus dem Körper, sondern alleine dem Arm kommen, erläuterte Carmen ergänzend.

Am Ende waren sich alle Teilnehmer einig: die sechs Stunden Latein mit Brian und Carmen waren viel zu wenig, von diesem herausragenden Paar wäre noch viel mehr zu erfahren gewesen. Bleibt zu hoffen, dass die Lectures im nächsten Jahr, wie Wolfram Galke andeutete, eine Fortsetzung finden werden.

Balancen mit Marc Scheithauer und Kerstin Stettner

Über drei Stunden hinweg gelang es Marc Scheithauer und Kerstin Stettner die Teilnehmer stufenweise immer weiter in die Grundsätze und Gestaltungsmöglichkeiten einzuführen, die Balancen im Standardtanzen bieten. Über allem stand der Leitsatz das Eigenbalance vor Paarbalance steht. Nur wenn Dame und Herr für sich perfekt ausbalanciert stehen, ist auch Paarbalance möglich.

Vom Stehen über das Gehen hinweg kamen die Teilnehmer schließlich bei der Rechtsdrehung an. Marc Scheithauer betonte besonders die Bedeutung der zentralen Balance zwischen den einzelnen Taktschlägen. Hierzu beschrieb er, dass der Tänzer eher dem leichtathletischen Geher, der stets einen Fuß am Boden haben muss, denn dem Läufer gleicht. Des weiteren betonte er, dass das Timing für die Standbeinarbeit sowie für das Schreitbein eine besondere Rolle spiele, da nur dieses einen sicheren Stand zu jeder Zeit garantiert.

Im zweiten Teil ging Kerstin Stettner vertieft auf Paarbalance ein. Sie beschrieb bildlich, dass ein Tanzpaar einer Kugel gleiche, jeder Partner also eine Halbkugel darstelle. Erst zusammengefügt ergibt sich ein ästhetisches Ganzes. Daher beschäftigten sich die Teilnehmer zunächst damit, den eigenen Körper in eine geeignete, paardienliche Haltung zu bringen um dann wieder an der Rechtsdrehung Paarbalancen zu üben. Schließlich erläuterte Kerstin Stettner, welche Möglichkeiten sich durch den Einsatz des „emotionalen Zentrums“ ergeben. Das emotionale Zentrum liegt in etwa auf Höhe des Brustbeins und erlaubt große Bilder zu kreiieren, indem die Dame es zum Herrn bringt. Dies war sicherlich für viele Teilnehmer eine völlig neue Bewegungserfahrung.

Zum Abschluss der Lecture erfreuten Marc und Kerstin das Publikum mit ihrer Kür, die mit großem Beifall belohnt wurde.

Nathalie Reiß und Sven Walker / Carsten Lenz und Monika Niederreiter

Bereits zu den „Stamm-Referenten“ auf dem LTVB-Alpenseminar zählen Nathalie Reiß und Sven Walker, die sich auch 2005 in einer Lecture mit den Basics im Standardtanzen beschäftigten. Ausgehend von der Eigenbalance, die deshalb wichtig ist, weil Fehler in der Eigenbalance zwangsläufig zu Folgefehlern im Paar führen, wie Nathalie Reiß anschaulich erläuterte, ging es für die Teilnehmer in der Folgezeit darum, sich auch in Bewegung balanciert zu verhalten. Anders als beim normalen Gehen, bei dem das Schwingen der Arme für das Gleichgewicht im Körper sorgt, muss beim Tanzen die Körperkontrolle dadurch gewährleistet werden, dass das Körperschwerpunkt immer wieder über die Füße gebracht wird. Eine gar nicht so einfache Sache, wie die Übungsleiter und Trainer in kleinen praktischen Übungen selbst erfahren durften. Abschließend demonstrierten Walker/Reiß dann noch, wie sich durch Veränderung der eigenen Grundbalance die Paarbalance beeinflussen lässt.

Den Abschluss des fachlichen Teils des Alpenseminars bildete die Latein-Lecture von Carsten Lenz und Monika Niederreiter. Hatten sich die anderen Referenten vorrangig auf die Trainer und Übungsleiter ausgerichtet, lag der Schwerpunkt der Lecture von Lenz/Niederreiter bei den Wertungsrichtern. Anhand praktischer Beispiele zeigten sie, wie man als Wertungsrichter bei Paaren der D-/C- und B-Klassen gute von schlechten Balancen unterscheiden kann. Danach demonstrierten sie, dass sich durch einen stabilen Körperaufbau auch das Tanzen insgesamt deutlich verbessern lässt und gaben Hinweise, worauf der Wertungsrichter bei seiner Begutachtung der Paare achten sollte, um Fehler im Körper zu erkennen.

Gala-Abend

„Ausverkauft“ hieß es, wenn sich noch jemand kurzfristig nach Karten für den Galaabend zum 10jährigen Jubiläum des Alpenseminars erkundigte. Lediglich ein paar Stehkarten waren noch zu haben. Kein Wunder, war doch das Veranstaltungsprogramm vollgepackt mit Höhepunkten des Tanzsports.

Rudolf Meindl und Wolfram Galke führten locker und charismatisch durch den „bunten Reigen an Tanzen“, der die Zuschauer erwartete, denn „Wir bieten nicht nur irgendetwas, sondern nur das Beste“ so Wolfram Galke.

Die Showtanzgruppe Freestyle „Funky-Dancers“ aus Taufkirchen, Vize-Europameister in ihrer Klassen, zeigten atemraubende akrobatische Einlagen. Ebenfalls mit einem Vize-Europameistertitel konnte die Jugendgardetanzgruppe „Thetilas“ aus Dettelbach aufweisen, die eine karnevalistische Einlage präsentierten, gefolgt von einer Einzeltanzvorführung. Einen siebenfachen Deutschen Meistertitel hatte sich die „Selleriegarde“ von der Nürnberger Karnevalsgesellschaft „Buchnesia“ schon ertanzt, die nur so über die Fläche fegten. Sie hatten nicht nur zahlreiche Gardemädchen mitgebracht, sondern auch ein Einzeltanzpaar, Nastasja Brunner und Sebastian Beer.

Neben den Karnevalisten waren auch andere Tanzsportsparten vertreten. So führten Michelle Nardella und Margit Kahn, Deutsche Vizemeister, die etwas gestrige Variante des Rock’n’Roll, den Boogie-Woogie vor. Sie zeigten einen langsamen Tanz und die schnelle Variante, bei der die Füsse kaum mehr den Boden zu berühren schienen. Die Zuschauer waren begeistert und forderten energisch eine Zugabe, die gerne gegeben wurde. Leider konnte der eher akrobatisch orientierte Rock’n’Roll wegen einer Verletzung nicht vorgeführt werden.

Die Bandbreite des Tanzsports stellte außerdem die Kindertanzgruppe des Gesellschaftstanzkreis Murnaus unter Beweis mit einem Ausschnitt aus der tänzerischen Früherziehung. Die Jazz- and Modern-Dance Gruppe „Maskara“ von der TSA Rot-Weiß Neutraubling zeigte einen sportübergreifenden Querschnitt aus vertanzten olympischen Sportarten. Die neuesten Trends zeigte die Gruppe „Classix Hip Hop“ vom TTC München. Gerade Hip Hop erweist sich als größte Wachstumssparte im Tanzen. Aber auch Salsa, dargeboten von Heiko Bretzner/Svenja Schmidt (TSC Rot-Gold-Casino München) und Tango Argentino und Milonga, gezeigt von Andrij Spiech/Sonja Schäufler erfreuen sich immer weiter wachsender Beliebtheit.

Zu später Stunde kamen die „traditionelleren“ Vorführungen. Die Lateinformation der TG Landshut vertanzte das Lebensgefühl der 30er Jahre in Chicago. Anschließend zeigten die Bayerischen Meister in den Standardtänzen, Konstantin Slavjen/Inka Wagner (TSC Rot-Gold-Casino Nürnberg), ihr Können und gaben auch die eine oder andere Information über ihren Trainingsalltag weiter. Die deutschen Vizemeister in den Lateinamerikanischen Tänzen, Christian Polanc/Petra Kostovcikowa (TSA Schwarz-Gold i. ESV Ingolstadt), wurden zum Höhepunkt des Abends. Unter enthusiastischem Applaus tanzten sie Samba und Jive. Das Publikum wollte das Paar gar nicht mehr gehen lassen. Sichtlich ergriffen bedauerte Wolfram Galke, dass dieses Paar wegen gesundheitlicher Probleme dem Tanzsport verloren gehen würde. Als Zugabe zeigten Christian und Petra eine Interpretation des portugiesischen Fado mit leidenschaftlicher Ausstrahlung, denn wie Christian sagte „Tänzer ist man nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen“.

Verhaltens- und Sportpsychologie

Dr. Wolfram Schön , autorisierter DISG ® -Trainer, selbst Wertungsrichter und ehemaliger Tänzer aus Wiesbaden, bewies, dass man Grundzüge der modernen Unternehmensberatung auch auf die Beziehung zwischen Trainer und Tanzpaar, bzw. auf eine Tanzpartnerschaft anwenden kann. Sowohl am Samstag, als auch am Sonntagvormittag, brachte er das Thema Übungsleitern, Trainern und Turnierpaaren näher, so dass jeder etwas für sein zukünftiges Training mitnehmen konnte. Da nur ein motivierter Sportler Leistung erbringen kann, war das Ziel des Vortrages, vor allem Trainern und Übungsleitern vor Augen zu halten, dass es unterschiedliche Wesenstypen gibt, welche auch unterschiedlich zu motivieren sind.

„Gewöhnlich tut jeder Mensch etwas aus seinen eigenen Beweggründen und nicht aus den Beweggründen anderer.“

Am Samstag wurde erst einmal geklärt, welche unterschiedlichen Persönlichkeitstypen es gibt. An Hand des in Industrie, Dienstleistung und Handel weit verbreiteten DISG ® -Persönlichkeits-Modells, erläuterte Herr Dr. Schön verschiedene Wesenstypen. So konnte jeder erst einmal bei einem kurzen Test ermitteln, welcher Persönlichkeitstyp er hauptsächlich ist. Bei diesem Test kam so die ein oder andere Überraschung heraus. Das DISG ® -Persönlichkeits-Modell beschreibt vier Persönlichkeitstypen: den „dominanten“, den „initiativen“, den „stetigen“ und den „gewissenhaften“ Typ. Danach erläuterte Herr Dr. Schön die Verhaltenstendenzen und die Grundmotivation der einzelnen Persönlichkeitstypen. So ist z. B. die Grundmotivation des „dominanten Typs“ die Herausforderung und das Prestige. Der „initiative Typ“ hingegen will Anerkennung ernten und der „stetige Typ“ das Verständnis anderer bekommen. Der „gewissenhafte Typ wird sicherlich dahin arbeiten, alles richtig zu machen und qualitativ gutes Tanzen zeigen zu können.

Am Sonntagvormittag ging es nun darum, wie man mit den verschiedenen Persönlichkeits-typen umgeht, um jeden einzelnen best möglichst gerecht zu werden. In kleinen Arbeitsgruppen wurde vor allem ausgearbeitet zu welchen Problemen es kommen kann, wenn in einer Tanzpartnerschaft unterschiedliche Wesenstypen aufeinander treffen. Es wurde erarbeitet auf was man achten soll, damit eine harmonische Tanzpartnerschaft erhalten bleibt und das Tanzpaar motiviert ihrem sportlichen Erfolgen entgegen sieht. Fazit des Vortrages: Ein Trainer sollte den Persönlichkeitstyp eines Tanzsportlers erkennen und wissen welche Verhaltestendenzen und welche Grundmotivationen damit verbunden sind. Nur so kann er den Sportler individuell nach seinen Bedürfnissen fördern und mit ihm den maximalen Erfolg erzielen.

Leider waren die drei Stunden in der das Thema behandelt wurde sehr schnell vorbei. Man hätte sich sicherlich noch länger mit diesem überaus interessanten Thema befassen können. Wer sich näher dafür interessiert, hier noch ein Buchtipp: „Das 1x1 der Persönlichkeit“, von Lothar J. Seiwert und Friedbert Gay. Das Buch ist im Persolog Verlag für Managementsysteme erschienen.

Freizeit- und Modetänze

Nachdem heute in den Discos überwiegend Teenager zu finden sind, nutzen vor allem junge Leute, aber auch Erwachse mittleren Alters, die Möglichkeit in einer Salsa-Bar zu tanzen. Demnach erfreuen sich Salsa-Kurse in den Tanzschulen großer Beliebtheit. Diesen Trend schloss sich der LTVB an und bot dieses Jahr im Rahmen des Alpenseminars eine Lecture zum Thema Salsa an.

Stephan Vogel hat zusammen mit den amtierenden bayrischen Meistern A-Latein, Heiko Bretzner und Svenja Schmidt, versucht, den Teilnehmern „Salsa“ nicht nur als Tanz sondern als Lebenseinstellung näher zu bringen. In Kuba, dem Ursprungsland der Salsa, wird Musik nicht zelebriert, sie wird gelebt. Stephan Vogel erklärte den Teilnehmern, dass beim Salsa-Tanzen „alles erlaubt ist, was gefällt.“ Es geht darum einen eigenen Stil zu entwickeln und zu improvisieren. Anhand einer kleinen Choreographie zeigte er, dass es richtig Spass macht Salsa zu tanzen. Es gab genügend Zeit für die Teilnehmer zu mitreisenden Salsa-Klängen selber zu tanzen und das neu Erlernte auszuprobieren. Die Aufforderung des Referenten den Partner zu wechseln, verursachte anfangs bei dem ein oder anderen durchaus ein wenig Panik. Dieser Tausch führte aber auch dazu, dass man begann freier und ungezwungener zu tanzen. Stephan Vogel brachte immer wieder neue Figurenvarianten ins Spiel, welche von Heiko und Svenja demonstriert wurden, so dass bei manchen die Köpfe ganz schon zu rauchen begannen.

Neben Salsa findet auch Tango Argentino immer mehr Interessenten in der freien Tanzszene. Daher war es nicht weiter verwunderlich, dass sich der LTVB entschieden hatte, auch für diesen Bereich eine Einsteiger-Lecture anzubieten. Andrij Spiech und Sonja Schäufler präsentierten den Teilnehmern eine einfache Übungsfolge, die sich gut dazu eignet, in der eigenen Trainingsgruppe in kurzer Zeit Tango Argentino-Feeling zu erzeugen. Bei Ochos und Basicschritten und -drehungen konnten sich die Teilnehmer dann selbst in die artenreichen Tango-Melodien einfühlen. Am Ende waren alle von dem neu gewonnenen Tanzgefühl so begeistert, dass sie Andrij Spiech und Sonja Schäufler erst nach einer hervorragend vertanzten Milonga von der Fläche entließen.

Turnierleiter

Gewohnt breit gefächert war das Fortbildungsprogramm für Turnierleiter. In insgesamt sechs Lecture-Blöcken galt es sich mit der Turnierorganisation und –abwicklung zu beschäftigen und die eigenen rhetorischen Fähigkeiten zu verbessern.

Dr. Peter Otto und Herbert Huth gaben einen Crash-Kurs in der TSO und zeigten den Teilnehmern die Aufgaben von Turnierleiter, Beisitzer und Protokoll während des Turnierablaufs an praktischen Beispielen auf. Dazu gab es von den Referenten wertvolle Tips, wie man die anstehenden Aufgaben effektiv und arbeitssparend bewältigen kann. Einen breiten Raum nahm die Besprechung von Fehlerschwerpunkten und die Anwendung des Skatingsystems ein. Schließlich galt es auch noch Turnierfehler, die von der Turnierkontrolle festgestellt worden sind, zu analysieren und Abhilfemöglichkeiten für die eigene Turnierleitung zu erarbeiten.

Neben der eigentlichen Turnierabwicklung sollte auf dem Alpenseminar auch die rhetorische Fortbildung nicht zu kurz kommen. Landeslehrwart Wolfram Galke, der zusammen mit LTVB-Vizepräsident Rudolf Meindl für die Organisation des Alpenseminars verantwortlich ist, motivierte die Teilnehmer, sich nicht nur als Leiter des Turniers, sondern als Moderator zu fühlen, der Paare, Wertungsrichter und Zuschauer durch das Turnier begleitet. In Gruppenarbeit gab es hierzu Lösungen für kleine Problemfälle zu erarbeiten und dem Plenum zu präsentieren.

Regionaltreffen Süd

Eingebettet in das Alpenseminar fand am Samstag das Regionaltreffen Bayern Süd statt, zu dem elf Vereinsvertreter erschienen waren. LTVB-Vize Rudolf Meindl informierte zu Beginn über Neuigkeiten im Verband. Danach ging es in der Gesprächsrunde über diverse Themen, wie Tanzen im Fernsehen, Jugendarbeit und Turnierveranstaltungen sowie Turnierabsagen und geringe Turnierbeteiligung der Paare. Über den Stand der finanziellen Verhältnisse des LTVB berichtete Schatzmeister Dr. Peter Otto. Danach blieb genügend Zeit mit den Präsidiumsmitgliedern Anliegen der Vereine zu diskutierten und auf Fragen und Anregungen einzugehen.

Murnau hat sich bewährt

Die Verlagerung des Alpenseminars von Bad Wörishofen nach Murnau hat sich nach allgemeiner Meinung der Teilnehmer bewährt. Durch die räumliche Geschlossenheit kommt wieder der Erfahrungsaustausch und das gegenseitige Kennenlernen – neben der tänzerischen Fortbildung eines der Hauptziele des Alpenseminars – nicht mehr zu kurz, sei es in den Seminarpausen oder nach dem offiziellen Lehrgangsprogramm bei der Welcome-Party oder der Galaveranstaltung. Auch 2006, vom 10. bis zum 12. November, werden daher in Murnau wieder alle Zeichen auf Tanzsport stehen.