Während draußen im trüben Novemberwetter die Schneeflocken tanzten, ging es im Kurhaus von Bad Wörishofen heiß her. „Rhythm & Music“ war nicht nur das Motto des 9. Alpenseminars des Landestanzsportverband Bayern e.V. (LTVB). Rhythm & Music hatten die Referenten im Blut, die ihr Publikum – Trainer, Übungsleiter, Wertungsrichter, Turnierleiter und Tänzer aus Bayern, dem übrigen Deutschland und Österreich – mitrissen zum Hinschauen, Nachdenken und Mitmachen.
Da Rhythmus und Musikalität nach dem Takt die ersten Wertungskriterien sind, war das Motto für die meisten Seminarteilnehmer ein Volltreffer. LTVB-Lehrwart Wolfram Galke hatte für die einzelnen Lectures erstklassige Referenten mit herausragenden Tänzer- und Trainerkarrieren gewinnen können. Sie beleuchteten unter den vorgegebenen Gesichtspunkten Bewertungskriterien, Unterrichts- und Trainingsmethoden. Dabei gaben sie Einblicke in Tanzstile, hochwertiges Tanzen, moderne Trends, zukunftsgerichtete Trainingsarbeit und in Techniken zur Umsetzung von Musik in Bewegung.
Den Referenten der Lectures – bei allen Unterschieden, was Sektion, Ausbildung, Profession und Temperament betraf – ging es darum, die Teilnehmer zum Sehen, Verstehen, Bewerten und Nachfühlen im eigenen Körper anzuregen. Durchgängig waren Themen wie Kontrolle, bewusste Wahl, Takt und Rhythmus, aber auch Respekt und Rücksicht. Es gab klare Definitionen, anschauliche Beschreibungen und Vorführungen, was möglich und was empfehlenswert ist. Und es gab reichlich Gelegenheit, das Gehörte und Gesehene unter hervorragender Anleitung selbst und im Paar auszuprobieren.
Horst Krämer, LTVB-Präsident und DTV-Lehrwart, eröffnete die Veranstaltung. Für ihn als Initiator des Alpenseminars war der Willkommensgruß mehr als nur eine repräsentative Aufgabe. Er brachte damit sowohl sein persönliches Engagement wie das des bayerischen Landesverbandes für das „Vorwärtskommen des Tanzsports“ zum Ausdruck.
In den Spitzenseminaren in Bad Harzburg und Bad Kissingen werden die deutschen S-Wertungsrichter und A-Trainer über die Entwicklungen im Tanzsport informiert. An diesen Schulungen dürfen aber die Wertungsrichter A und C, die Trainer C/B und die Übungsleiter Breitensport nicht teilnehmen. Zum Erhalt ihrer Lizenzen und zu ihrer Fortbildung gibt es in Bayern deshalb Veranstaltungen wie das Alpenseminar.
Diesmal kamen an den drei Seminartagen pro Tag an die hundert Teilnehmer aus insgesamt 68 Vereinen. Selbst der ehemalige Latein-Weltmeister Holger Nitsche hatte die Mühe nicht gescheut, nach Bad Wörishofen zu fahren.
Peter Mangelsdorff aus Berlin, beschrieb das Standardtanzen als „Erklingen der Körper“. Wie Tanzen durch die dreidimensionale Bewegung im eigenen Körper, im Paar und im Raum entsteht, demonstrierte er zusammen mit den Professionals Marc Scheithauer/Kerstin Stettner. Den Teilnehmern gab er oft Gelegenheit zum Nachtanzen.
Die dreidimensionale Bewegung bringt den Körper „zum Klingen“. Dabei geht es um die Entschlossenheit zweier Menschen, durch das Gewicht ihrer Körper Taktanfang und Taktende zu markieren. Sie werden durch die Entscheidung des Herrn geleitet – das meint die Führung oder auch die Verführung der Dame. Führung macht Entscheidung sichtbar. Ein entscheidungsloses Paar wirkt nicht.
Wenn der Herr, auch wenn er rückwärts geht, das Standbein bewusst beugt, dann sieht das aus wie eine Entscheidung. Wenn die Dame rückwärts geht, führt sie mit, indem sie ihrem Tänzer die Chance gibt, sich vorwärts zu bewegen. „Tänzerin und Tänzer sind ungleich, aber gleichwertig.“ Diese Aussage kommentierte Kerstin Stettner mit charmantem Augenaufschlag: „Das habe ich bislang noch nicht bemerkt.“
Führung ist für Mangelsdorff besonders an den Balancepunkten wichtig. Denn gerade dort vermittelt sie den Eindruck einer bewussten Entscheidung. Das Paar geht gemeinsam von Balance zu Balance. Die gemeinsame Balance, die möglichst lange auszutanzen ist, lässt Dynamik entstehen, die in der „gemeinsamen Lust zu explodieren“ sichtbar wird. „Ich bin schnell, um die langsamen Passagen dann tänzerisch mit Genuss zu zeigen." Je länger der Fuß auf dem Parkett ist, umso besser kann sich der Körper darüber bewegen.
Trainingsziel beim dreidimensionalen Tanzen ist, sich nicht nur im Raum, sondern ständig einzeln und gemeinsam zu bewegen, wenn nicht mit den Füssen, dann im Körper. Für den nachhaltigen Trainingserfolg ist der respektvolle Umgang miteinander ist eine wichtige Grundlage. Ein Trainingsplan als Trainingsvereinbarung zwischen den Tanzpartnern und mit dem Trainer ist als Zeichen des Respekts füreinander anzusehen. In diesem Sinn soll er aufgestellt und gelebt werden.
Sven Walker und Nathalie Reiss zeigten das Spannungsfeld zwischen klassischen und modernen Timing-Varianten in Theorie und Praxis auf. Sie führten beide Stile zusammen mit Marius Iepure/Cécile Pritzel und Klaus Genterczewsky/Julia Quinot vor.
Inwiefern können Rhythmusvariationen einzelner Figuren das Tanzen verändern? Dieser Frage gingen Sven und Nathalie in ihrem ersten Standardblock nach. Dazu betrachteten sie häufig getanzte Figuren (z. B. Fallaway oder Five Step) in vier Tänzen und zeigten wie eine Veränderung des Rhythmus mehr Zeit zur Vorbereitung einer Folgefigur geben kann oder eine schnellere Variante dynamischere Choreographien unterstützt. Die Wahl eines bestimmten Rhythmus in einer Figur kann hier eingesetzt als ein Mittel der Gestaltung werden und sollte daher den Tanzpaaren von den Trainern bewusst nahe gebracht werden.
Neben diesem Leitfaden vermittelten Sven und Nathalie Grundsätze zu gutem Standardtanzen. Die Bedeutung von Timing, Standbeinaktion und Balancen wurde hervorgestellt, ebenso wie die Grenzen des geraden Körpers. Ein gerader Körper ermöglicht zwar Rhythmus, jedoch nicht zwangsläufig schönes Tanzen. Um dieses gewünschte Resultat zu erhalten, müssen die Tänzer in der Lage sein, sich weiter in den Raum hinein zu projezieren und so das Paar voluminöser wirken zu lassen.
Im zweiten Teil ihrer Lecture gaben Walker/Reiss den Teilnehmern Gelegenheit, selbst das moderne Timing auszuprobieren und eine auf Dynamik angelegte Mini-Folge zu tanzen. Sie verglichen den modernen mit dem klassischen Stil und zeigten für beide die wichtigsten Vor- und Nachteile auf. Heute werden beide Stile getanzt. Doch schlägt das Herz vieler junger Paare für den neuen sportlich-dynamischen Stil.
Beim modernen Timing geben die rhythmischen Varianten Zeit für das Sich-im-eigenen-Körper-Bewegen und erleichtern das dreidimensionale Tanzen. So hat zum Beispiel der Langsame Walzer ein stärkeres Hover-Element (to hover = schweben) auf der Drei. Im Tango wird der Körper komprimiert, um ihn dann in den Raum hineinzuprojizieren. „Wir bewegen uns, um etwas zu bewegen."
Wichtig ist, die Grundgeschwindigkeit im Körper zu lenken und zu kontrollieren. Das erfordert die Beherrschung der Basics und ganz besonders den bewussten Einsatz der Knie.
Für Jürgen Neudeck bildet der Körper mit seinen Knochen und seinen „Energiezentren“ ein ganzes Rhythmusorchester, das vom Tänzer beherrscht werden will. Rhythmus wird erzeugt durch das Plazieren des Körpergewichts, den Aufbau von Spannungen und durch das Füllen bestimmter Körperpartien mit Volumen. Timing ist die unterste Stufe des Rhythmus.
Basiswissen über die Knochen und deren strukturelle Positionen ist ebenso wie Atemtechnik und die Kenntnis der Energiezentren in Bauch und Brustkorb erforderlich. Auf dieser Grundlage kann Spannung (Widerstand mit nachfolgender Beschleunigung) zwischen den beiden Energiezentren gezielt aufgebaut werden. Durch Führungsimpulse aus diesen Energiezentren kann maximales Volumen erzeugt werden. Das alles demonstrierte Neudeck gemeinsam mit seinem Vorführpaar Markus Trißler/Marina Scharin. Zusätzlich entzog er einen Apfel dem Verzehr, um die Lage des Körperschwerpunkts noch anschaulicher zu machen.
Das erlernte Basiswissen wird im Training aktiv angewandt. Aufwärmen ist ein Muss. Am Anfang nehmen Basics bis zu 50 Prozent des Trainings in Anspruch. Wichtig ist das Einüben von Grundpositionen, die aus dem klassischen Ballett und dem Handbuch von Walter Laird abgeleitet werden können. Aus diesen Grundpositionen werden Bewegungsgrundmuster entwickelt mit dem Ziel, das Bewegungsmaximum zu bestimmen.
Der Trainingsplan muss messbare Ziele enthalten, die dann auch gemessen werden. Er ist eine Vereinbarung, die mit Zuneigung und Respekt zu leben ist. Dabei sind grundlegende Fragen für jeden der beiden Partner und für das Paar immer wieder neu zu beantworten: Was ist das Bewegungsminimum / -maximum? Was ist gut / schlecht? Denn: „Wenn jemand nicht weiß, was er kann, wie soll er es dann unter Stress anwenden?“
Bei den Choreographien achtet Neudeck auf Absturzresistenz. Sie sind nicht nur an das Leistungsvermögen des Paares angepasst. Sondern sie sind grundsätzlich in drei Teile gegliedert, die trotz unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade in etwa gleich gut sein müssen. Alle drei Teile können dann separat und gleichmäßig intensiv trainiert werden. Auf einem Turnier kann das Paar dann – je nach Raumgröße und Platz auf der Tanzfläche – mit jedem der drei Teile beginnen.
Manuela Faller kam aus Freiburg im Breisgau und brachte zwei Vorführpaare mit.
Insgesamt 4,5 Stunden hatte Manuela Faller Zeit das interessierte Publikum über Körperakzente, Körperaktionen und Körperteile aufzuklären. Während dieser Zeit beschäftigte sie sich hauptsächlich mit Grundlagen, die auch fleißig von den Teilnehmern nachempfunden wurden.
Nachdem der Brustkorb über den Rücken geöffnet worden war und das Bändchen am Steiss nach unten gezogen, war der perfekte Körper fürs Tanzen geschaffen. Hier beschäftigte sich Manuela Faller mit den zwei kritischen Punkten, Po und Brust, die durch eine Verbindung zusammengehalten werden müssen. Sie betonte hier besonders, dass diese Verbindung durch einen guten Tonus und langen, beweglichen „Schlangenmuskeln“ nicht nur mit Tanzen erreicht werden kann, sondern mit Gymnastik trainiert werden muss. Die Referentin empfahl hier besonders die Pilates-Methode.
Nun durften sich die Teilnehmer bewegen. Betrachtet wurde eine der teuersten Figuren des Tanzsports – der Rumba-Walk. Manuela Faller ging auf einen funktionellen Körperaufbau ein, der es den Tänzern ermöglicht eine „neugierige“ Seite und einen beweglichen Rücken zu behalten. Um von Fuß zu Fuß zu kommen, sollten die Teilnehmer ihr „Navigationssystem“ ansteuern, dass ein Stückchen über dem Po liegt. Plastisch verdeutlicht wurde dies durch weiße Applikationen auf den Kleidern der Demo-Damen Natascha und Nathalie.
Nach dem Rumba-Walk forderte Manuela Faller die Teilnehmer auf mit Körperaktionen zu Experimentieren. Dabei hob sie hervor, dass das Timing zu den Aktionen passen musste, d.h. der Tänzer sollte über die Fähigkeit der „Antizipation“ verfügen, also Bewegungen und Aktionen vorahnen können. Aber auch hier wies Frau Faller darauf hin, dass diese Fähigkeit erst erarbeitet werden muss.
Zum Abschluss berichtete die Trainerin von ihren Turnierbeobachtungen, dass viele Paare zu wenig auf einen Turniertanz eingestellt sind, verkrampfen und nicht ihre gewohnte Leistung bringen können. Zusammen mit dem Publikum wurden tanzspezifische Bewegungen und Köperteile erarbeitet. So wurde festgestellt, dass Samba hauptsächlich Hüfte, Becken, Beine und Knie in den Vordergrund stellt um zu rotieren und zu bouncen, während Rumba eher Rücken und Schultern betont. Bereits bevor die Choreographie angetanzt wird, haben die Paare die Möglichkeit die Musik zu empfinden und in für den Tanz typische Bewegungen umzusetzen. Dies wurde sehr eindrücklich von Nathalie und Massimo demonstriert.
Freizeittänze
Freizeittänze finden in die Tanzsportvereine zunehmend Eingang. Der TTC München zum Beispiel hat schon mehrere HipHop-Gruppen. Über diese Schiene können gerade unter den Jugendlichen neue Mitglieder gewonnen werden. Viele von ihnen kommen just-for-fun, doch einige lassen sich an den Tanzsport heranführen.
Dieser Tendenz hat das Alpenseminar mit einer HipHop – Videoclip-Lecture Rechnung getragen. Denn, so LTVB-Jugendwart Michael Braun: „Die Jugend fährt ab auf Video-Clip-Dancing. Sie will tanzen wie die Stars und lernt begeistert Videoclip-Choreographien, die sie dann bei Vorführungen und Wettbewerben präsentiert.“
Bei der HipHop – Videoclip-Lecture war Claudia Frackenpohl (ADTV Fachtanzlehrerin HipHop der Tanzschule Steuer) die Instruktorin und zündende Vortänzerin. Ähnlich wie bei den Blade-Nights ging es hier um den Kombi-Spaß des einzelnen Teilnehmers beim gemeinschaftlich ausgeübten Sport. Die praktische Einübung einer HipHop-Choreographie war dann auch für alle ein sichtliches Vergnügen.
Stefan Vogel machte mit seiner Partnerin Irene Moser wieder Lust auf Paartanz. Das Einüben von Salsa-Elementen weckte alle Lebensgeister, besonders als Vogel die Damen aufforderte „mit allem zu wackeln, was sie haben“.
Die satten Salsa-Rhythmen mit mehr oder weniger Afro-Elementen werden vom Bauch in den Boden hineingetanzt. Über den Kontakt zum Boden entsteht die Hüft- und Oberschenkelbewegung. Aus den vielen unterschiedlichen rhythmischen Möglichkeiten und Tanzstilen kann jeder seinen eigenen Stil entwickeln und improvisieren. Viele der Bewegungselemente können vom Turniertänzer auch in die Lateintänze übernommen werden und sie interessanter machen.
Bei der Salsa geht es um Körpergefühl. Spanische Salsa-Trainer geben häufig erst einmal darin Unterricht. Und es geht um ungezwungene Lebensfreude mit einer Chance, das eigene Bewegungsrepertoire zu erweitern und das Improvisationstalent zu üben. „Bei Salsa musst Du Dich öffnen und Deinen Stil entwickeln. Tu Dein Ding!“
Dr. Wolfram Schön (autorisierter DISG-Trainer) aus Wiesbaden sprach aus Sicht des Verhaltenstrainers über Fragen des Paarcoaching und der Sportpsychologie. Unter der Prämisse, dass Menschen sich am wohlsten fühlen, wenn sie ihren bevorzugten Verhaltensstil anwenden können, zeigte er auf, wie wichtig es für den Trainingserfolg ist, dass ein Trainer die verschiedenen Verhaltensstile kennt und bei seinen Paaren erkennen kann.
Das in der Wirtschaft erfolgreich zur Verbesserung der Kommunikation eingesetzte DISG-Verhaltensprofil übertrug Dr. Schön auf den Tanzsport. Dieses Modell beschreibt das menschliche Verhalten durch vier Grundtendenzen: dominant, initiativ, stetig und gewissenhaft. Je nach Grundtendenz erwarten Menschen einen unterschiedlichen Umgang und lassen sich durch unterschiedliche Dinge motivieren bzw. frustrieren. Bereits das Wissen vom Vorhandensein verschiedener Verhaltenstypen kann den Respekt in der Zusammenarbeit nachhaltig steigern.
Will der Trainer einen möglichst nachhaltigen Trainingserfolg, muss er seine Methoden an die Bedürfnisse der Sportler anpassen. Wie er den Sportler anspricht, mit ihm umgeht und ihn motiviert, beeinflusst langfristig das Trainingsklima und die Trainingseffektivität sowohl positiv wie negativ.
In beiden überfachlichen Referaten zu Paarcoaching und Sportpsychologie wurden nicht nur die verschiedenen Verhaltenstypen vorgestellt. Bei einem Test konnten die Teilnehmer auch ihren eigenen Verhaltenstyp anhand der Quadrantenmethode erkennen lernen. Vom eigenen Profil mit seinen Stärken, Schwächen, Reaktionen und Motivationen wurde dann der Blick auf das Trainieren und Coachen von Paaren im Tanzsport geweitet. Die Fragen der Teilnehmer aus ihrer Praxis – mit Schwerpunkten auf dem Gestalten des Trainingsumfeldes und auf dem effektiven Korrigieren beim Coaching – wurden in einer angeregten Diskussion erörtert.
Der mittlerweile bayernweit bekannte Tanzsport-Fotograf Hermann Brunner gab Hinweise zur Fototechnik, Ausrüstung, Bildbearbeitung und Bildverwertung. Während sich in den Lectures alles um die Inszenierung der tänzerischen Bewegung drehte, ging es dem Fotografen darum, diese Bewegung im Bild wieder einzufrieren.
Egal, ob eine einfache Digitalkamera oder eine High-End-Spiegelreflex-Cam verwendet wird: Die Belichtungszeit sollte manuell einstellbar sein und so kurz wie möglich vorgewählt werden (1/125 bis 1/250 sec), während die Blendeneinstellung der Automatik überlassen werden kann. So lassen sich Auslöseverzögerungen verringern und Bewegungsunschärfen vermeiden. Wer eine ruhige Hand hat, dem empfiehlt Brunner zusätzlich, die Kamera bei der Aufnahme „mitzuziehen“.
Bei allen Standardtänzen und den Lateintänzen Samba und Paso ist der optimale Standort für den Fotografen etwa in der Mitte einer Längsseite. Große Tänzer sollen aus dem Stand und kleine aus der Hocke aufgenommen werden. Aber bitte nie die Köpfe in die Bildmitte rücken. Und nicht sofort losknipsen. Hat man die Choreographien erst einmal in Ruhe eine Runde lang beobachtet, kennt man in der nächsten Runde die fotografischen „Schokoladenseiten“ der Paare. Nach einem alten Fotografen-Lehrsatz entsteht das Bild im Kopf und nicht erst in der Kamera.
Die Turnierleiterschulung, zu der teilweise auch Trainer eingeladen waren, befasste sich mit der organisatorischen Seite des Tanzsports. Tänzer halten die Turnier- und Sportordnung des Deutschen Tanzsportverbandes (TSO) ja gerne für eine trockene Materie. Doch für Turnierleiter ist ihre genaue Kenntnis sinnvoll und außerordentlich nützlich, zumal im Turniertrubel oft keine Zeit zum Nachblättern bleibt.
Oliver Fünfgelder stellte die Neuerungen der TSO vor bzw. rief sie wieder ins Gedächtnis. Über die aktuelle Kleiderordnung besteht für Paare und Trainer noch immer Unklarheit. Sie ist eigentlich nicht mehr neu, aber selbst Turnierleitern nicht immer geläufig.
Auch das Verbot getanzter Lifts wurde besprochen. Lifts haben die Disqualifikation eines Paares zur Folge.
Auf die Regelungen für Doppelstart und Kombination von Klassen bzw. Gruppen ging Fünfgelder ausführlich ein. Sie sind gerade bei Jugendturnieren sehr wichtig, um überhaupt noch Turniere durchführen zu können. In diesem Zusammenhang erklärte er, wie die Startbücher z.B. bei Junioren-II-B-Paaren auszufüllen sind, die auf Grund des Doppelstarts und Aufstiegs schon in der Jugend-A-Klasse tanzen dürfen.
Für den Start bei einer LM oder DM benötigen ausländische Paare beide eine Aufenthaltsgenehmigung für mindestens sechs Monate. D-Klasse-Paare aus Österreich, die sich vermehrt zu deutschen D-Turnieren anmelden, sind dort nicht startberechtigt, sondern dürfen nur in der C-Klasse antreten.
Dr. Peter Otto (LTVB-Schatzmeister) stellte die statistische Auswertung der Turnierbeanstandungen im Bereich des LTVB für 2003 vor. In einem Kurztest zu den Fehlerschwerpunkten gab er den Schulungsteilnehmern Gelegenheit, ihre eigenen Schwächen zu erkennen.
Ein erfreuliches Ergebnis der Auswertung ist, dass die Gesamtzahl der Fehler gegenüber 2002 zurückging. Zudem gab es deutlich weniger systematische Fehler. Am häufigsten waren wieder die Flüchtigkeits- und Übertragungsfehler (Protokollfehler).
Ergänzt wurde die Statistik durch Handouts. Anhand deren gab Dr. Otto Tipps zur Vermeidung von Fehlern im Turnierablauf sowie Hinweise zum korrekten Versand der Turnierunterlagen an den DTV (DTV-Archiv und dezentrale Turnierkontrolle).
Herbert Huth ging auf einzelne Verstöße und Fehler bei der Turnierleitung ein. Dazu hatte er für die Teilnehmer ein fiktives Turnier mit üblichen und eher unüblichen Fehlern und Verstößen ausgearbeitet.
Sein Rat an alle Turnierleiter, Beisitzer und Protokollführer: „Ruhe bewahren, die Übersicht nicht verlieren und – ganz wichtig – die TSO lesen.“
LTVB-Lehrwart Wolfram Galke hattedas Alpenseminar nicht nur zusammen mit dem für die Organisation verantwortlichen LTVB-Vizepräsidenten Rudolf Meindl geplant und vorbereitet, sondern war wieder der brillante Moderator der Veranstaltung. Da war es umso bedauerlicher, dass gerade sein Lehrgang „Moderation“ im Rahmen der Turnierleiterschulung ausfiel.
Das Regionaltreffen Bayern-Süd fand im Rahmen des Alpenseminars statt und wurde mit dem Vereinsmanagement praktisch kombiniert. Hier gaben sich die Funktionäre und Sportwarte ein Stelldichein. Zu den zentralen Fragen gehörten die zunehmende Turniermüdigkeit der Paare, das Fehlen von Lizenzträgern und die sinkenden Mitgliederzahlen.
Kurt Haas nahm als LTVB-Sportwart zur „Turniermüdigkeit“ Stellung: Die Gesamtzahl der Turnierpaare ist zwar in etwa gleich geblieben. Aber die Startmeldungen sind rückläufig, so dass regelmäßig Turniere mangels Masse ausfallen müssen. Gab es vor einigen Jahren pro Halbjahr noch 80-90 Turniere, so sind es heute 40-50. Um die Gründe für diese Entwicklung herauszufinden, führt das Präsidium eine Umfrage bei den Paaren durch, deren Ergebnis voraussichtlich Anfang 2005 vorliegen wird.
Der akute Mangel an Lizenzträgern könnte in manchen Vereinen eine Ursache darin haben, dass Vorstände die Meinungshoheit und das Rederecht für sich beanspruchen. Das nimmt dann vielen Mitgliedern den Mut, selbst etwas zu sagen oder ehrenamtlich mitzuarbeiten.
Bezüglich des allgemeinen Rückgangs der Mitgliederzahlen wies LTVB-Präsident Horst Krämer auf die derzeit stattfindenden Gespräche zwischen dem Deutschen Tanzsportverband (DTV) und dem Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) hin. Sie haben zum Ziel, durch gemeinsame Aktionen den Tanzsport verstärkt in die Öffentlichkeit zu bringen und der zunehmenden Konkurrenz – z.B. durch Tanzangebote von Fitnessschulen und Volkshochschulen – wirkungsvoll zu begegnen.
Das 9. Alpenseminar 2004 gab gute Gelegenheit zur Fortbildung und zum Erfahrungsaustausch. Die Gespräche zwischen den Teilnehmern, Referenten und Funktionären waren nicht auf die kurzen Pausen zwischen den Lehrgängen eingeschränkt. Abends konnten sie beim „Welcome“ und beim „Dance Talk“ vertieft werden.
Am Ende galt es dann nicht nur voneinander Abschied zu nehmen, sondern auch von Bad Wörishofen. Denn für das 10. Alpenseminar 2005 geht es noch höher hinauf ins Gebirge. Murnau am Staffelsee wird der nächste Veranstaltungsort sein.
Zum Seminarprogramm (pdf-Format) gelangen Sie hier.
Aktueller Lehrgangsplan - Stand: 10. Oktober 2004 (pdf-Format)
(Änderungen im Programm und bei den Referenten bleiben vorbehalten.)
Die Anmeldung zum Alpenseminar des LTVB ist nur möglich über die Geschäftsstelle des LTVB, Georg-Brauchle-Ring 93, 80992 München, Telefon: 089-15702-441 oder Fax: 089-15702-450 oder e-Mail: Geschaeftsstelle@ltvb.de.
Bitte sorgen Sie im Vorfeld für die rechtzeitige Überweisung der
Lehrgangs- oder Seminargebühren auf das Konto des LTVB bei der Postbank
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